Veröffentlicht am März 15, 2024

Die Vollkasko ohne Selbstbeteiligung ist keine reine Versicherung, sondern Ihr Schutzschild gegen die psychologischen Verkaufstricks am Mietwagenschalter.

  • Der Schalter ist eine Bühne, die darauf ausgelegt ist, Ihnen unter Zeitdruck teure und oft unnötige Extras zu verkaufen.
  • Die strikte Ablehnung von Debitkarten ist oft ein gezieltes Druckmittel, um Sie zum Abschluss einer teuren hauseigenen Versicherung zu zwingen.
  • Eine lückenlose Videodokumentation bei der Übernahme ist Ihre einzige rechtssichere Waffe gegen später ungerechtfertigt in Rechnung gestellte Altschäden.

Empfehlung: Buchen Sie den Mietwagen IMMER mit dem kompletten Versicherungspaket „Vollkasko ohne Selbstbeteiligung“ und der Tankregelung „Voll/Voll“ online. Ihre einzige Aufgabe am Schalter ist dann, den Schlüssel zu empfangen und zu allen Zusatzangeboten freundlich, aber bestimmt „Nein, danke“ zu sagen.

Jeder kennt die Szene: Nach einem langen Flug stehen Sie müde in der Warteschlange am Mietwagenschalter. Die Kinder quengeln, der Urlaub wartet. Jetzt nur noch schnell den Schlüssel holen und los. Doch dann beginnt das Spiel. Der freundliche Mitarbeiter erklärt Ihnen mit ernster Miene, dass Ihre online gebuchte Versicherung unzureichend sei, Ihre Kreditkarte nicht die richtige ist oder dass ein „Upgrade“ heute ein ganz besonderes Schnäppchen wäre. Plötzlich sind Sie verunsichert. Habe ich etwas übersehen? Ist mein Schutz wirklich lückenhaft?

Als ehemaliger Mitarbeiter einer grossen internationalen Autovermietung kenne ich die andere Seite dieses Schalters nur zu gut. Ich kenne die Schulungen, die Verkaufsziele und die psychologischen Hebel, die gezielt eingesetzt werden, um den Umsatz pro Kunde zu maximieren. Die Wahrheit ist: Das Geschäftsmodell vieler Vermieter, insbesondere im Low-Cost-Segment, basiert nicht auf dem reinen Mietpreis, sondern auf dem Verkauf von Zusatzleistungen unter Druck am Schalter. Die wichtigste dieser Leistungen ist die überteuerte hauseigene Versicherung.

Dieser Artikel ist kein weiterer allgemeiner Ratgeber. Er ist ein Blick hinter die Kulissen. Ich zeige Ihnen die konkreten Systemfallen und psychologischen Tricks, die auf Sie warten, und gebe Ihnen eine präzise Strategie an die Hand, wie Sie diese Fallen umgehen. Der entscheidende Schritt findet dabei nicht am Schalter statt, sondern Wochen vorher bei der Online-Buchung. Es geht darum, die Vollkasko ohne Selbstbeteiligung nicht als Kostenpunkt zu sehen, sondern als strategische Entscheidung, die Ihnen am Schalter die Souveränität verleiht, einfach nur den Schlüssel zu nehmen – und sonst nichts.

Um die typischen Fallstricke am Mietwagenschalter zu verstehen und souverän zu umgehen, haben wir die häufigsten Probleme und deren Lösungen für Sie aufgeschlüsselt. Der folgende Leitfaden führt Sie durch alle kritischen Phasen der Anmietung, von der Tankregelung bis zur Routenplanung.

Warum „Voll-Leer“ Sie eine Tankfüllung plus Servicegebühr kostet?

Eine der häufigsten und lukrativsten Systemfallen für Autovermieter ist die Tankregelung „Voll-Leer“. Sie klingt fair, ist aber darauf ausgelegt, Ihnen zusätzliches Geld aus der Tasche zu ziehen. Bei dieser Regelung übernehmen Sie das Fahrzeug mit vollem Tank und sollen es mit möglichst leerem Tank zurückgeben. Der Haken: Der Vermieter berechnet Ihnen die erste Tankfüllung zu einem deutlich überhöhten Literpreis, zuzüglich einer „Servicegebühr“ für das Betanken. Es ist praktisch unmöglich, den Tank exakt leer zu fahren. Das Restbenzin im Tank ist ein reines Geschenk an den Vermieter.

Besonders perfide wird es bei unerwünschten „Upgrades“. Sie buchen einen Benziner und erhalten am Schalter einen Diesel, was als kostenloser Vorteil verkauft wird. Später auf der Rechnung tauchen dann versteckte Gebühren auf. So zeigen Erfahrungsberichte von Kunden, dass plötzlich 12 EUR zusätzlich für Dieselfahrzeuge berechnet wurden, obwohl das Upgrade angeblich ohne Mehrkosten war. Dies ist ein klassisches Beispiel für die Schalter-Psychologie: Ein vermeintlicher Vorteil wird genutzt, um versteckte Kosten zu rechtfertigen, die in der Hektik der Fahrzeugübernahme untergehen.

Fallstudie: Doppelte Kosten trotz vollgetankter Rückgabe

Ein Kunde von Goldcar berichtet, dass ihm am Schalter ein „kostenloses“ Upgrade auf einen VW Golf Diesel angeboten wurde, obwohl er einen Benziner gebucht hatte. Er akzeptierte, fuhr den Tank fast leer und tankte vor der Rückgabe zur Sicherheit trotzdem voll. Bei der Endabrechnung wurden ihm dennoch 12 EUR für die Diesel-Option berechnet. Sein Protest war zwecklos, da er das Upgrade akzeptiert hatte. Er zahlte also nicht nur das Benzin, sondern auch die zusätzliche Gebühr – ein klarer Verlust.

Die einzig faire und transparente Option ist die Tankregelung „Voll/Voll“. Hier übernehmen Sie das Auto vollgetankt und geben es vollgetankt zurück. Sie zahlen nur den Kraftstoff, den Sie tatsächlich verbraucht haben, und das zum aktuellen, lokalen Tankstellenpreis. Achten Sie bei der Online-Buchung penibel darauf, diese Option im Filter auszuwählen und machen Sie einen Screenshot als Beweis.

Das Risiko, keinen Mietwagen zu bekommen, wenn Sie keine echte Kreditkarte haben

Dies ist der vielleicht grösste Schockmoment für viele Reisende und ein mächtiges Druckmittel für Vermieter: Sie legen Ihren Voucher und Ihre Karte auf den Tresen, doch der Mitarbeiter schüttelt den Kopf. Ihre Karte wird nicht akzeptiert. Panik macht sich breit. Der Grund liegt oft im feinen Unterschied zwischen einer echten Kreditkarte (Credit Card) und einer Debit- oder Girocard, ein Phänomen, das man als „Karten-Roulette“ bezeichnen kann.

Für die Hinterlegung der Kaution benötigen Vermieter eine Karte, auf der sie den Betrag blocken (nicht abbuchen) können. Dies ist technisch nur mit einer echten Kreditkarte mit eigenem Kreditrahmen möglich. Debitkarten, auch solche mit Visa- oder Mastercard-Logo, sind direkt mit dem Girokonto verbunden. Eine Blockade der Kaution ist hier oft nicht möglich oder vom Vermieter nicht erwünscht, da das Ausfallrisiko höher ist. Die deutsche Girocard („EC-Karte“) wird im Ausland für Kautionen fast nie akzeptiert.

Detailaufnahme verschiedener Kartentypen für Mietwagenkaution, die den Unterschied zwischen geprägten Kreditkarten und flachen Debitkarten zeigt

Dieses Problem wird am Schalter gezielt ausgenutzt. Wenn Ihre Karte abgelehnt wird, haben Sie zwei schlechte Optionen: entweder gar kein Auto bekommen oder die teure, hauseigene Zusatzversicherung des Vermieters abschliessen. Mit dem Abschluss dieser Versicherung entfällt nämlich oft die Notwendigkeit einer hohen Kaution, und plötzlich wird Ihre Debitkarte für einen geringeren Restbetrag doch akzeptiert. Ihr Voucher, Ihr Papierschild, ist in diesem Moment wertlos, wie ein frustrierter Kunde berichtet, dessen Erfahrung die Regel und nicht die Ausnahme ist.

Vor Ort angekommen sagte der Mann am Schalter, dass sie nur reine Kreditkarten akzeptieren. Der Voucher interessierte ihn so gar nicht.

– Goldcar-Kunde, Erfahrungsbericht Goldcar Malaga

Die folgende Tabelle zeigt, wie riskant die alleinige Verwendung einer Debitkarte ist und warum eine echte, geprägte Kreditkarte auf Reisen unerlässlich ist.

Vergleich: Welche Karten werden von Autovermietern akzeptiert?
Kartentyp Goldcar Europcar Empfehlung
Echte Kreditkarte (geprägt) ✓ Akzeptiert ✓ Akzeptiert Beste Option
Debitkarte mit Visa/Mastercard Logo ✗ Oft abgelehnt Teilweise akzeptiert Riskant
EC-Karte/Girocard ✗ Nicht akzeptiert ✗ Nicht akzeptiert Nicht geeignet
Prepaid-Kreditkarte ✗ Nicht akzeptiert ✗ Nicht akzeptiert Vermeiden

Wie Sie das Auto bei Übernahme filmen müssen, um nicht für Altschäden zu haften?

Das Übergabeprotokoll ist oft ein lückenhaftes Dokument, auf dem bei schlechtem Licht schnell ein paar Kreuze gemacht werden. Doch nach Ihrer Rückkehr flattert Ihnen eine Rechnung über einen Kratzer ins Haus, der Ihrer Meinung nach schon vorher da war. Ohne Beweis haben Sie keine Chance. Die einzige wirklich wirksame Methode, sich zu schützen, ist die Erstellung einer lückenlosen Beweiskette mittels einer detaillierten Videoaufnahme, und zwar bevor Sie auch nur einen Meter fahren.

Ein schnelles Foto reicht nicht aus. Sie benötigen ein Video, das den Zustand des Wagens in einem zeitlichen und räumlichen Kontext festhält. Starten Sie das Video und filmen Sie zuerst den Mietvertrag mit Datum, Uhrzeit und Kennzeichen. Gehen Sie dann langsam um das gesamte Auto, filmen Sie jede Seite, jede Ecke, die Stossstangen und insbesondere die Felgen, die ein beliebter Punkt für angebliche Schäden sind. Zoomen Sie an vorhandene Kratzer und Dellen heran. Filmen Sie auch das Dach, die Windschutzscheibe (auf Steinschläge) und den Innenraum (Sitze, Armaturenbrett). Beenden Sie das Video mit einer klaren Aufnahme des Kilometerstandes und der Tankanzeige. Nutzen Sie eine App, die einen Zeit- und Datumsstempel im Video einblendet.

Bei der Rückgabe wurde versucht mir einen fiktiven Schaden anzulasten. Mein Video beweist zum Glück, dass das Betrug ist.

– Anonym, Erfolgreiche Schadensabwehr durch Videobeweis

Dieses Video ist Ihre Versicherung gegen unberechtigte Forderungen. Wenn der Vermieter ein digitales Übergabeprotokoll auf einem Tablet verwendet, auf dem Sie nicht selbst markieren können, bestehen Sie darauf, dass Ihre eigenen Fotos oder Ihr Video vermerkt werden. Wenn Ihnen die Zeit für eine detaillierte Dokumentation verwehrt wird, ist das ein massives Warnsignal.

Ihre Checkliste für die rechtssichere Video-Dokumentation

  1. Vorbereitung: Starten Sie eine Video-App mit Zeitstempel, bevor Sie den Motor anlassen.
  2. Kontext filmen: Nehmen Sie zuerst den Mietvertrag mit Kennzeichen, Datum und Uhrzeit auf, danach den Kilometerstand und die Tankanzeige.
  3. Aussen-Check: Filmen Sie alle vier Seiten des Fahrzeugs langsam und lückenlos. Fokussieren Sie dabei besonders auf typische Schadenszonen: Stossstangen, Felgen, Spiegel und die Windschutzscheibe.
  4. Detail-Check: Zoomen Sie an jeden bereits vorhandenen Kratzer, jede Delle und jeden Steinschlag heran, sodass der Altschaden eindeutig erkennbar ist.
  5. Innen-Check & Abschluss: Kontrollieren Sie den Innenraum auf Flecken, Risse oder Schäden. Beenden Sie die Aufnahme und speichern Sie das Video sicher in der Cloud.

Dürfen Sie mit dem spanischen Mietwagen kurz über die Grenze fahren?

Ein Roadtrip entlang der Costa Brava, und ein kleiner Abstecher nach Frankreich scheint verlockend. Oder von Deutschland aus kurz nach Österreich. Doch Vorsicht: Ein Grenzübertritt mit dem Mietwagen ist oft nicht so einfach, wie es innerhalb der EU scheint. Die „grüne Versicherungskarte“ allein reicht nicht aus; entscheidend sind die Mietbedingungen (AGB) des jeweiligen Vermieters. Viele, insbesondere lokale und Low-Cost-Anbieter, verbieten Grenzübertritte grundsätzlich oder knüpfen sie an strenge Auflagen.

Die meisten Vermieter verlangen eine vorherige Anmeldung des Grenzübertritts und berechnen eine sogenannte „Cross-Border-Fee“. Diese Gebühr kann zwischen 15 und 50 Euro pauschal oder pro Tag liegen. Ignorieren Sie diese Pflicht, riskieren Sie empfindliche Vertragsstrafen. Viel gravierender ist jedoch, dass bei einem nicht angemeldeten Grenzübertritt Ihr gesamter Versicherungsschutz erlöschen kann. Im Falle eines Unfalls oder Diebstahls im Nachbarland haften Sie vollumfänglich für den gesamten Schaden, was den finanziellen Ruin bedeuten kann.

Die Regelungen sind von Land zu Land und von Vermieter zu Vermieter extrem unterschiedlich. Während Fahrten zwischen den meisten westeuropäischen EU-Ländern oft gegen Gebühr möglich sind, sind Fahrten nach Osteuropa häufig komplett ausgeschlossen. Besondere Vorsicht ist bei Fahrten von einem EU-Land in ein Nicht-EU-Land wie die Schweiz geboten. Hier benötigen Sie nicht nur die Erlaubnis des Vermieters, sondern müssen auch zollrechtliche Vorschriften und die Vignettenpflicht beachten. Prüfen Sie daher vor der Buchung unbedingt die Klauseln zu „territorial restrictions“ oder „Grenzfahrten“ in den AGB. Eine seriöse Buchungsplattform ermöglicht es, dies vorab zu filtern.

Wann der zweite Fahrer kostenlos ist und wann er 10 € pro Tag kostet?

Auf langen Fahrten ist ein zweiter Fahrer nicht nur komfortabel, sondern auch ein wichtiger Sicherheitsfaktor. Doch diese Flexibilität hat oft ihren Preis. Die Gebühren für einen Zusatzfahrer sind eine beliebte zusätzliche Einnahmequelle für Vermieter und können die Mietkosten erheblich in die Höhe treiben. Die Kosten variieren stark und liegen häufig zwischen 8 und 12 Euro pro Tag. Bei einer zweiwöchigen Miete summiert sich das schnell auf über 150 Euro.

Es gibt jedoch mehrere Möglichkeiten, diese Kosten zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Viele Premium-Angebote oder Gold-Pakete von Brokern beinhalten bereits einen kostenlosen Zusatzfahrer. Es lohnt sich, bei der Online-Buchung gezielt nach solchen Paketen zu filtern, auch wenn der Grundpreis dadurch leicht höher ist. Oft ist dies günstiger als die separate Buchung vor Ort. Eine weitere hervorragende Möglichkeit bieten Automobilclubs. Für deutsche Reisende ist hier insbesondere der ADAC zu nennen. Durch Partnerschaften mit grossen Vermietern wie Sixt oder Europcar profitieren Mitglieder oft von einem kostenlosen Zusatzfahrer. Angesichts der Tatsache, dass die Mitgliederzahl des ADAC im Jahr 2021 bei fast 21,3 Millionen lag, ist dies ein weit verbreiteter, aber oft vergessener Vorteil.

Auch Loyalitätsprogramme der Vermieter (z.B. Hertz Five Star, Sixt Gold) oder spezielle Firmentarife beinhalten häufig die kostenlose Eintragung eines weiteren Fahrers. Die folgende Übersicht gibt einen Anhaltspunkt über die üblichen Kosten und Sparpotenziale.

Kostenübersicht Zusatzfahrer nach Anbieter und Status
Anbieter Standardpreis/Tag Mit ADAC Mit Firmenkonto
Sixt 9,99€ Kostenlos (Gold Status) Oft inklusive
Europcar 12€ Reduziert Nach Vertrag
Hertz 10€ Kostenlos (Five Star) Verhandelbar
Budget 8€ 5€ Nach Volumen

Wichtig: Der Zusatzfahrer muss bei der Fahrzeugübernahme persönlich anwesend sein und seinen Führerschein sowie Personalausweis vorlegen. Eine nicht eingetragene Person ans Steuer zu lassen, führt im Schadensfall zum vollständigen Verlust des Versicherungsschutzes.

Wie Sie sicherstellen, dass der Fahrer wirklich einen Kindersitz dabei hat?

Für Eltern gibt es kaum etwas Stressigeres, als am Urlaubsort anzukommen und festzustellen, dass der vorbestellte Kindersitz nicht verfügbar ist. Trotz expliziter Buchung ist dies leider keine Seltenheit. Die Vermieter halten oft nur eine begrenzte Anzahl an Sitzen vor, und bei hoher Nachfrage kann es zu Engpässen kommen. Sich darauf zu verlassen, dass die Online-Reservierung ausreicht, ist ein riskantes Glücksspiel.

Zudem sind die Mietkosten für Kindersitze oft unverhältnismässig hoch. Eine Recherche zeigt, dass für eine zweiwöchige Miete schnell über 100€ für einen Kindersitz fällig werden können. Im Vergleich dazu kostet die Mitnahme des eigenen Sitzes als Sperrgepäck bei den meisten Airlines oft unter 50 Euro. Der eigene Sitz hat zudem den Vorteil, dass das Kind daran gewöhnt ist und Sie dessen Qualität und Sauberkeit kennen. Miet-Kindersitze sind nicht immer im besten Zustand. Die Mitnahme des eigenen Sitzes ist daher oft die sicherste und kostengünstigste Variante.

Wenn Sie dennoch einen Sitz mieten müssen oder wollen, ist eine proaktive Kommunikationsstrategie unerlässlich, um die Verfügbarkeit sicherzustellen. Verlassen Sie sich nicht auf die stille Bestätigung Ihrer Online-Buchung. Werden Sie aktiv, um Ihre Chancen zu maximieren:

  • Stufe 1 (Buchung): Fügen Sie den Kindersitz (mit Angabe der Alters-/Gewichtsklasse) explizit als Extra bei Ihrer Online-Reservierung hinzu.
  • Stufe 2 (72h vorher): Senden Sie eine E-Mail direkt an die lokale Vermietstation (nicht an die zentrale Hotline) und bitten Sie um eine schriftliche Bestätigung für die Kindersitzreservierung.
  • Stufe 3 (24h vorher): Rufen Sie die Station direkt an. Fragen Sie nach dem Status Ihrer Reservierung und dem Kindersitz. Notieren Sie sich den Namen des Mitarbeiters und die Uhrzeit des Anrufs.
  • Stufe 4 (Beweis): Bitten Sie im Telefonat oder in einer erneuten E-Mail um eine kurze schriftliche Zusage, idealerweise mit Nennung des Sitzmodells. Diese E-Mail dient im Notfall als Beweis.

Diese mehrstufige Absicherung erhöht den Druck auf die Station, einen Sitz für Sie zu blockieren, und gibt Ihnen eine bessere Handhabe, falls vor Ort doch Probleme auftreten.

Das Risiko, mit Flip-Flops am Steuer erwischt zu werden, und was es kostet

Im Urlaub direkt vom Strand ins Auto – was gibt es Schöneres? Doch das Fahren mit ungeeignetem Schuhwerk wie Flip-Flops, Sandalen ohne Fersenriemen oder gar barfuss ist nicht nur gefährlich, sondern kann auch sehr teuer werden. In vielen beliebten Urlaubsländern wie Spanien ist dies explizit verboten. Bei einer Polizeikontrolle drohen in Spanien bis zu 200€ Strafe, wenn die Beamten der Ansicht sind, dass das Schuhwerk die sichere Bedienung des Fahrzeugs beeinträchtigt.

Das Bussgeld ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Das weitaus grössere Risiko ist versicherungsrechtlicher Natur. Sollten Sie in einen Unfall verwickelt sein, kann Ihnen das Fahren mit Flip-Flops als grobe Fahrlässigkeit ausgelegt werden. In diesem Fall kann die Versicherung ihre Leistungen kürzen oder sogar komplett verweigern. Das bedeutet, dass Sie nicht nur für den Schaden am gegnerischen Fahrzeug, sondern auch für den Schaden am Mietwagen voll haften – trotz abgeschlossener Vollkasko ohne Selbstbeteiligung.

Wird der Unfall durch grobe Fahrlässigkeit – zum Beispiel durch ungeeignetes Schuhwerk – verursacht, kann Ihr Versicherungsschutz erlöschen

– Volkswagen Financial Services, Ratgeber Mietwagen versichern

Die Argumentation der Versicherer ist einfach: Mit Flip-Flops kann man leicht von den Pedalen abrutschen oder sich unter ihnen verkeilen, was die Reaktionszeit entscheidend verlängert. Um dieses Risiko komplett auszuschliessen, gibt es eine simple, aber effektive Lösung, die von erfahrenen Reisenden praktiziert wird.

Ein erfahrener Roadtrip-Reisender empfiehlt: ‚Immer ein Paar feste Schuhe im Kofferraum oder unter dem Beifahrersitz deponieren. So kommt man gar nicht erst in Versuchung, mit Strandschuhen zu fahren, und vermeidet Probleme bei Polizeikontrollen.‘

– Anonym, Praktischer Tipp eines erfahrenen Mietwagennutzers

Das Wichtigste in Kürze

  • Buchen Sie strategisch: Die Vollkasko ohne Selbstbeteiligung und die Tankregelung „Voll/Voll“ müssen online gebucht werden. Dies ist Ihr Schutzschild gegen Verkaufsdruck am Schalter.
  • Die richtige Karte ist entscheidend: Nur eine echte, geprägte Kreditkarte auf den Namen des Hauptfahrers garantiert die problemlose Hinterlegung der Kaution und verhindert, dass Sie in eine teure Zusatzversicherung gedrängt werden.
  • Dokumentation ist alles: Ein detailliertes Video des Fahrzeugzustands bei Übernahme (inkl. Zeitstempel) ist Ihre einzige wirksame Waffe gegen ungerechtfertigte Schadensforderungen nach der Rückgabe.

Mautfrei oder Küstenstrasse? Die beste Route für einen Roadtrip von der Costa Brava bis Alicante

Die Wahl der richtigen Route ist eine klassische Abwägung: spare ich Zeit oder Geld und geniesse ich die Landschaft? Auf der beliebten Strecke entlang der spanischen Mittelmeerküste stellt sich diese Frage besonders deutlich zwischen der schnellen, aber mautpflichtigen Autobahn AP-7 und der malerischen, aber langsameren Nationalstrasse N-340. Die Entscheidung hängt von Ihrem Budget, Ihrer Zeit und Ihren Urlaubsprioritäten ab.

Die Autobahn AP-7 ist die schnellste Verbindung. Sie ist gut ausgebaut und umgeht die meisten Städte. Allerdings fallen hier Mautgebühren an, die sich auf längeren Strecken summieren. Die Küstenstrasse N-340 führt oft direkt am Meer entlang durch charmante Dörfer und Städte, bietet spektakuläre Ausblicke, aber auch deutlich mehr Verkehr, Kreisverkehre und eine niedrigere Durchschnittsgeschwindigkeit. Der Mehrverbrauch an Benzin durch das ständige Bremsen und Beschleunigen ist ebenfalls ein Faktor, wenn auch ein geringerer im Vergleich zur Maut.

Die folgende Tabelle gibt einen Kosten- und Zeitvergleich für die Strecke von Barcelona nach Alicante, um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern.

Kostenvergleich AP-7 Autobahn vs. N-340 Küstenstrasse
Streckenabschnitt AP-7 Mautkosten N-340 Mehrverbrauch Zeitdifferenz
Barcelona – Valencia 32,45€ ca. 8€ Benzin +90 Min
Valencia – Alicante 19,20€ ca. 5€ Benzin +60 Min
Gesamt (ca. 530km) 51,65€ ca. 13€ +2,5 Std
Berechnung für Seat Ibiza mit 6L/100km Verbrauch bei 1,65€/L

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Umweltzonen (Zonas de Bajas Emisiones) in Grossstädten wie Barcelona und Valencia. Die Einfahrt ohne entsprechende Umweltplakette kann hohe Strafen nach sich ziehen. Mietwagen haben oft eine spanische Plakette, aber nicht immer. Hier lauern ebenfalls Kostenfallen, da Bussgelder vom Vermieter zuzüglich hoher Bearbeitungsgebühren an Sie weitergeleitet werden. Es ist bekannt, dass einige Vermieter solche Praktiken exzessiv nutzen. So wurde beispielsweise Goldcar bereits wegen unlauterer Geschäftspraktiken im Zusammenhang mit Gebühren und Strafen zu einer Geldstrafe von 3,4 Millionen Euro verurteilt.

Ihre Reise beginnt nicht erst am Urlaubsort, sondern mit einer klugen und informierten Buchung von zu Hause aus. Indem Sie die Versicherung, den Zusatzfahrer und die Tankregelung online festlegen, verwandeln Sie den gefürchteten Mietwagenschalter in eine simple Abholstation. Schützen Sie Ihren Geldbeutel und Ihre Nerven, indem Sie die Kontrolle behalten und vorbereitet in den Urlaub starten. Eine sichere und kluge Buchung ist der erste Schritt zu einer unvergesslichen Reise.

Häufig gestellte Fragen zu Grenzübertritten mit dem Mietwagen

Muss ich Grenzübertritte vorab anmelden?

Ja, die meisten Vermieter verlangen eine vorherige Anmeldung und berechnen eine Cross-Border-Fee zwischen 15 und 50 Euro. Ein nicht angemeldeter Grenzübertritt kann zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.

Gilt mein Versicherungsschutz auch im Nachbarland?

Nicht automatisch. Der Versicherungsschutz kann je nach Land erlöschen, wenn der Grenzübertritt nicht angemeldet und genehmigt wurde. Prüfen Sie unbedingt die Klausel zu den „territorial restrictions“ in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen Ihres Mietvertrags.

Was kostet die Einfahrt in die Schweiz mit einem EU-Mietwagen?

Zusätzlich zur eventuellen Cross-Border-Gebühr des Vermieters benötigen Sie für die Nutzung der Schweizer Autobahnen eine Vignette (ca. 40 CHF). Zudem müssen zollrechtliche Vorschriften beachtet werden, was die Einreise weiter verkomplizieren kann.

Geschrieben von Jonas Eicher, Rechtsanwalt mit Zulassung in Frankfurt und Madrid, spezialisiert auf spanisches Verkehrs- und Immobilienrecht. Seit 12 Jahren berät er deutsche Expats und Urlauber bei rechtlichen Hürden auf der Iberischen Halbinsel.