Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Die meisten Paellas, die Sie im Urlaub essen, sind eine Beleidigung für meine Heimat. Eine echte Paella ist keine bunte Reispfanne, sondern ein Ritual mit strengen Regeln.

  • Der Reis ist der Held, nicht die Garnitur. Falscher Reis macht das Gericht zu Brei.
  • Die knusprige Kruste am Boden (Socarrat) ist kein Unfall, sondern das wertvollste an einer Paella.
  • Paella ist ein Mittagsgericht für die Gemeinschaft, niemals ein schnelles Abendessen für Touristen.

Empfehlung: Vertrauen Sie nicht der Speisekarte, sondern Ihren Sinnen. Eine Wartezeit von mindestens 25 Minuten ist kein schlechter Service, sondern das erste Zeichen für Qualität und Respekt vor dem Gericht.

Man hat Ihnen eine Lüge verkauft. Eine Lüge, die in grellen Farben auf laminierten Speisekarten prangt, garniert mit Zitronenspalten und vollgestopft mit Dingen, die in einer Paella so deplatziert sind wie ein Pinguin in der Wüste. Ich spreche von Chorizo, von Erbsen, von einer unheiligen Allianz aus Meeresfrüchten und Fleisch in derselben Pfanne. Als Koch, der in Valencia geboren und aufgewachsen ist, dessen Hände von Kindesbeinen an gelernt haben, das Feuer unter der Paellapfanne zu zähmen, tut mir das in der Seele weh.

Jedes Mal, wenn ein Tourist eine „Paella Mixta“ bestellt, stirbt ein kleiner Teil unserer kulinarischen Identität. Sie denken, Sie essen spanisches Nationalgericht, aber in Wahrheit konsumieren Sie eine Erfindung für den Massengeschmack, oft lieblos aus der Tiefkühltruhe aufgewärmt. Dieses Gericht, unser Gericht, ist mehr als nur eine Mahlzeit. Es ist der Duft von Orangenholzfeuer am Sonntagmittag, es ist das Geräusch des Reises, der in der heissen Brühe zischt, es ist das Herzstück unserer sozialen Zusammenkünfte.

Doch was, wenn ich Ihnen sage, dass die wahre Essenz einer Paella nicht in der Zutatenliste liegt, sondern in der Philosophie dahinter? Es geht nicht nur darum, was hineinkommt, sondern vielmehr darum, was draussen bleiben muss und warum. Es geht um Respekt vor dem Prozess, um die Wissenschaft der Flüssigkeitsaufnahme und um die kulinarische Ehrlichkeit, die in der modernen Gastronomie so oft verloren geht. Dieser Artikel ist kein einfaches Rezept. Er ist eine Einweihung. Ich werde Ihnen die Geheimnisse anvertrauen, mit denen Sie die Seele einer echten Paella Valenciana erkennen und nie wieder auf eine billige Kopie hereinfallen.

In den folgenden Abschnitten zerlegen wir die Mythen und zeigen Ihnen die unumstösslichen Wahrheiten unserer Tradition. Von der entscheidenden Wahl des Reiskorns bis zur Kunst, die wertvolle Kruste am Boden zu zelebrieren, werden Sie lernen, eine Paella mit den Augen eines Einheimischen zu beurteilen.

Warum der falsche Reis die Flüssigkeitsaufnahme ruiniert und das Gericht matschig macht?

Der grösste Fehler, das Kardinalverbrechen bei der Zubereitung einer Paella, beginnt beim Reis. Touristen konzentrieren sich auf die Garnelen oder das Hühnchen, aber für uns Valencianer ist der Reis der unbestrittene Held des Gerichts. Er ist die Leinwand, auf der alle Aromen gemalt werden. Die Verwendung des falschen Korns ist nicht nur ein Fauxpas, es ist eine wissenschaftliche Katastrophe. Sorten wie Risotto-Reis (z.B. Arborio) sind darauf gezüchtet, Stärke abzugeben, um eine cremige Textur zu erzeugen. In einer Paella führt genau diese Eigenschaft zu einem klebrigen, matschigen Desaster. Der Reis pappt zusammen und die einzelnen Körner ertrinken, anstatt die Brühe aufzusaugen und dabei ihre Form zu behalten.

Die einzig wahre Wahl ist ein spanischer Rundkornreis, idealerweise der Arroz Bomba. Dieses Korn ist eine technische Meisterleistung der Natur. Es kann das Dreifache seines eigenen Volumens an Flüssigkeit aufnehmen, ohne zu zerfallen. Jedes einzelne Korn wird zu einem kleinen Geschmackstresor, prall gefüllt mit dem Aroma von Safran, Rosmarin und dem über Feuer gebratenen Fleisch. Der deutsche Fernsehkoch Tim Mälzer musste diese Lektion auf die harte Tour lernen, als er in der Sendung „Kitchen Impossible“ bei Paella-König Rafael Vidal scheiterte. Er entdeckte nicht nur, dass Knoblauch und Zitrone ein Sakrileg sind, sondern dass der Bomba-Reis der Schlüssel zu allem ist. Ohne ihn ist es nur eine Reispfanne.

Ihr Plan zur Reis-Beschaffung: Ein Leitfaden für Deutschland

  1. Etiketten verstehen: Suchen Sie auf der Packung explizit nach „Arroz Bomba“ oder „Arroz Senia“. Ignorieren Sie generischen „Rundkornreis“.
  2. Spezialisierte Händler finden: Besuchen Sie spanische Feinkostläden, Online-Shops oder die Gourmet-Abteilungen grösserer Supermärkte wie Edeka oder Kaufhof.
  3. Herkunft prüfen: Achten Sie auf das D.O.-Siegel (Denominación de Origen) aus Valencia oder Calasparra. Das ist ein Garant für Authentizität.
  4. Häufige Fehler vermeiden: Verwenden Sie unter keinen Umständen Milchreis, Risotto-Reis (Arborio) oder Langkornreis wie Basmati. Sie sind strukturell ungeeignet.
  5. Die beste Alternative wählen: Wenn Bomba nicht verfügbar ist, ist der „La Fallera Paella-Reis Extra“ eine akzeptable zweite Wahl. Er ist der meistgekaufte Reis in Spanien und in vielen deutschen Grossmärkten zu finden.

Die Investition in den richtigen Reis ist keine Option, sie ist eine Notwendigkeit. Es ist der erste und wichtigste Schritt, um Respekt vor dem Gericht zu zeigen und das Fundament für ein authentisches Ergebnis zu legen. Alles andere ist zum Scheitern verurteilt.

Wie Sie die angebrannte Kruste am Boden geniessen, statt sie als „verbrannt“ zurückzugehen?

Ich habe gesehen, wie Touristen mit entsetztem Gesicht in der Paella stochern und den Kellner rufen, weil das Gericht „unten angebrannt“ sei. Dies ist der Moment, in dem jeder valencianische Koch innerlich stirbt. Was der ungeschulte Gaumen als Fehler abtut, ist in Wahrheit die Krone der Schöpfung, der heiligste Gral der Paella: der Socarrat. Dieses Wort hat keine direkte Übersetzung. Es beschreibt die dünne, knusprige und intensiv aromatische Schicht aus karamellisiertem Reis, die sich am Boden der Pfanne bildet. Es ist kein Unfall, sondern das Ergebnis höchster Kochkunst.

Den Socarrat zu erzeugen, erfordert sensorische Intelligenz. Man muss das Feuer präzise kontrollieren, die Hitze in den letzten Minuten der Garzeit erhöhen und genau auf das Geräusch hören – ein subtiles Knistern, das verrät, dass die letzte Flüssigkeit verdampft ist und der Reis am Metall zu karamellisieren beginnt. Der Duft, der dabei entsteht, ist eine Mischung aus geröstetem Brot und Nüssen. Diesen Moment perfekt abzupassen, ohne den Reis tatsächlich zu verbrennen, unterscheidet den Meister vom Anfänger.

Nahaufnahme der knusprigen Socarrat-Kruste am Boden einer Paellapfanne

Der Socarrat ist der geschmackliche Höhepunkt, da hier die Aromen in ihrer konzentriertesten Form vorliegen. Es ist der Teil, um den sich die Einheimischen am Tisch streiten. Ihn mit einem Löffel vom Pfannenboden zu kratzen, ist ein Akt puren Genusses. Wie die Experten von Spain Food Sherpas raten, ist Diskretion hier alles:

Profi-Tipp: Der leckerste Teil der Paella ist der knusprige, der an der Pfanne klebt – der beste Weg, ihn in Gesellschaft zu bekommen, ist, elegant zu dissimulieren und ihn dann mit einem Holzspatel abzukratzen und einfach zu geniessen!

– Spain Food Sherpas, Traditional Paella Valenciana Guide

Wenn Sie also das nächste Mal eine Paella serviert bekommen und diese glorreiche, goldbraune Kruste entdecken, schicken Sie sie nicht zurück. Nicken Sie stattdessen anerkennend dem Koch zu. Sie haben soeben den Beweis erhalten, dass Ihre Paella mit Liebe und Können zubereitet wurde. Sie haben den Socarrat gefunden.

Kaninchen oder Garnelen: Welche Zutaten gehören wirklich in die originale „Valenciana“?

Jetzt kommen wir zu den Fakten, und hier gibt es keine Diskussion. Die Frage, was in eine Paella Valenciana gehört, ist keine Frage des Geschmacks, sondern eine Frage der Definition. Um dem Chaos der touristischen Verfälschungen ein Ende zu setzen, haben sich Köche, Produzenten und Kritiker in der Organisation Wikipaella zusammengeschlossen. Ihre Mission: die authentischen Reisgerichte Valencias zu definieren und zu schützen. Ihre Arbeit ist die unumstössliche Referenz für kulinarische Ehrlichkeit.

Und die Definition ist glasklar: Die authentische Paella Valenciana enthält Huhn und Kaninchen, grüne Bohnen (Ferraúra), weisse Bohnen (Garrofó), Tomate, Safran, Olivenöl und optional Schnecken. Das ist es. Keine Meeresfrüchte. Keine Chorizo. Keine Erbsen. Keine Paprika. Diese Zutaten gehören zu anderen, ebenfalls legitimen Reisgerichten (Arroces), aber nicht in die Paella Valenciana. Eine „Paella Mixta“, die Fleisch und Meeresfrüchte kombiniert, ist eine reine Touristen-Erfindung, die von keinem Valencianer je freiwillig gegessen würde.

Fallstudie: Wikipaella – Die Bürgerinitiative zur Rettung der Paella

Wikipaella ist mehr als nur eine Website; es ist die organisierte Antwort der valencianischen Bürger auf die Verfälschung ihres Kulturerbes. Der gemeinnützige Verein dient als Wissensquelle und vergibt Zertifizierungen an Restaurants, die sich der authentischen Zubereitung verpflichten. Diese Initiative definiert, fördert und verteidigt die klassischen Reisgerichte innerhalb und ausserhalb Spaniens. Ein Restaurant mit Wikipaella-Siegel ist Ihre beste Garantie für ein echtes Erlebnis.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen, damit Sie die Fälschungen sofort erkennen:

Authentische Paella vs. Touristen-Versionen
Paella-Typ Hauptzutaten Authentizität Wo serviert
Paella Valenciana (Original) Huhn, Kaninchen, weisse & grüne Bohnen, Schnecken 100% authentisch Valencia, El Palmar, Sueca
Paella de Marisco Nur Meeresfrüchte Regionale Variante (akzeptabel) Küstenregionen
Paella Mixta Fleisch UND Meeresfrüchte kombiniert Touristen-Erfindung Touristenrestaurants
Paella mit Chorizo Mit Chorizo-Wurst Absolute Verfälschung Internationale ’spanische‘ Restaurants

Eine „Paella de Marisco“ (Meeresfrüchte-Paella) ist ein köstliches Gericht, aber es ist eben keine Paella Valenciana. Ein Kenner bestellt sie mit diesem Wissen. Die Verwechslung oder gar Vermischung ist das wahre Zeichen der Unwissenheit.

Das Risiko, Paella am Abend zu bestellen (und warum Einheimische das nie tun)

Ein Restaurant, das Ihnen abends um 21 Uhr eine einzelne Portion Paella serviert, ist mit ziemlicher Sicherheit eine Touristenfalle. Für uns Valencianer ist die Paella untrennbar mit dem Mittagessen verbunden, vorzugsweise am Sonntag im Kreise der Familie oder mit Freunden. Dies hat sowohl kulturelle als auch ganz praktische Gründe. Die Paella ist ein schweres, reichhaltiges Gericht. Sie mittags zu essen, gibt dem Körper genügend Zeit, sie zu verdauen. Sie abends zu essen, ist eine Garantie für eine unruhige Nacht.

Viel wichtiger ist jedoch die soziale Dimension. Paella ist kein Fast Food. Ihre Zubereitung ist ein Ritual, das Zeit und Gemeinschaft erfordert. Man versammelt sich um das Feuer, trinkt ein Glas Wein, während der Koch die Zutaten langsam anbrät, und teilt sich am Ende die grosse Pfanne, aus der oft direkt mit dem Holzlöffel gegessen wird. Dieses gemeinschaftliche Erlebnis lässt sich nicht in ein schnelles Abendessen für zwei Personen pressen. Restaurants, die Paella am Abend anbieten, bedienen sich fast immer vorgekochter, tiefgekühlter oder in der Mikrowelle aufgewärmter Portionen. Die kulinarische Ehrlichkeit bleibt dabei auf der Strecke.

Für einen Grossteil der Valencianer ist die beste Paella, die sie jemals gegessen haben, die von ihrer Mutter, ihrer Grossmutter oder ihrem Vater, zubereitet nach dem Rezept der authentischen valencianischen Paella.

– Visit Valencia, Offizielle Tourismus-Website Valencia

Diese Aussage unterstreicht die tief verwurzelte Tradition der Paella als familiäres Mittagsgericht. Eine Ausnahme gibt es: Wenn Sie als grössere Gruppe (oft ab 6 Personen) in einem guten Restaurant für den Abend eine Paella vorbestellen, wird sie frisch für Sie zubereitet. Aber spontan eine Paella am Abend? Einheimische würden das nie tun. Suchen Sie stattdessen nach Restaurants mit dem Wikipaella-Zertifikat und bestellen Sie Ihr Gericht für die Mittagszeit, idealerweise zwischen 13:00 und 15:30 Uhr. Für das authentischste Erlebnis fahren Sie aus der Stadt heraus in die Dörfer am Albufera-See, wie El Palmar oder Sueca, die Wiege der Paella.

Wann 25 Minuten Wartezeit bedeuten, dass Ihre Paella frisch zubereitet wird?

In unserer schnelllebigen Welt wird Warten oft als schlechter Service empfunden. Bei einer Paella ist das Gegenteil der Fall: Eine kurze Wartezeit ist das grösste Warnsignal. Wenn Ihre Paella weniger als 25 Minuten nach der Bestellung auf dem Tisch steht, können Sie sicher sein, dass sie nicht frisch für Sie zubereitet wurde. Sie kam aus der Mikrowelle oder einem riesigen Vorratsbehälter. Eine echte Paella ist ein Akt der Geduld und des Respekts vor dem Prozess.

Eine frisch zubereitete Paella benötigt mindestens 25-30 Minuten, und das ist bereits eine optimistische Schätzung. Eine traditionelle Zubereitung dauert noch länger. Wie traditionelle Zubereitungsmethoden zeigen, sind Fleisch und Gemüse bei leichter Flamme oft schon eine gute Stunde auf dem Herd, bevor der Reis überhaupt in die Pfanne kommt. Dieser langsame Prozess ist entscheidend, um eine geschmacksintensive Brühe (Caldo) zu erzeugen, die später vom Reis aufgesogen wird. Das scharfe Anbraten des Fleisches, das langsame Garen des Gemüses – jeder Schritt baut eine weitere Geschmacksschicht auf.

Traditionelle Paella-Zubereitung über offenem Feuer mit Orangenholz

Das Kochen über offenem Feuer, idealerweise mit Orangenholz, das ein subtiles Raucharoma verleiht, ist die traditionellste und beste Methode. Sie ermöglicht eine gleichmässige Hitzeverteilung über den breiten Boden der Paellapfanne (der sogenannten Paellera). Dieser Prozess lässt sich nicht beschleunigen. Jeder Versuch, eine Abkürzung zu nehmen, führt zu einem Verlust an Tiefe und Komplexität im Geschmack.

Seien Sie also misstrauisch, wenn es zu schnell geht. Eine Wartezeit von 30 bis 45 Minuten ist kein Ärgernis, sondern ein Versprechen. Es ist die Zeit, die der Koch investiert, um Ihnen ein ehrliches und authentisches Gericht zu servieren. Nutzen Sie diese Zeit, um die Vorfreude zu geniessen, einen Aperitif zu trinken und zu wissen, dass etwas Gutes auf Sie zukommt. Geduld ist die wichtigste Zutat einer jeden grossartigen Paella.

Fideuà oder Calçots: Welche katalanischen Spezialitäten Sie im Frühling probieren müssen?

Ein echter Kenner zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass er Fälschungen erkennt, sondern auch dadurch, dass er authentische Alternativen wertschätzt. Während eine Paella mit Chorizo eine Beleidigung ist, sind Gerichte wie die Fideuà oder die Tradition der Calçotada respektierte kulinarische Verwandte aus der Nachbarregion Katalonien. Sie zu kennen, beweist wahre Auseinandersetzung mit der spanischen Esskultur.

Die Fideuà ist quasi die Schwester der Paella. Sie wird in einer ähnlichen flachen Pfanne zubereitet, aber anstelle von Reis werden kleine, kurze Nudeln (Fideos) verwendet. Die Legende besagt, dass sie in Gandia, südlich von Valencia, von Fischern erfunden wurde, die den Reis an Bord vergessen hatten. Eine klassische Fideuà ist typischerweise mit Meeresfrüchten und wird mit Aioli serviert. Besonders spektakulär ist die „Fideuà negra“, die mit Tintenfischtinte schwarz gefärbt wird.

Noch einzigartiger ist die Calçotada, ein soziales und kulinarisches Ereignis, das im späten Winter und frühen Frühling (Februar bis März) in Katalonien stattfindet. Es ist weniger ein Gericht als ein Fest, vergleichbar mit einem deutschen Spargelessen oder Grillfest. Im Mittelpunkt stehen die Calçots, eine Art milde Frühlingszwiebel, die über offenem Feuer geröstet wird, bis die äussere Schicht schwarz ist. Man schält diese Schicht ab und tunkt den weichen inneren Teil in eine reichhaltige Romesco-Sauce. Das Ganze ist eine gesellige Angelegenheit, bei der man Lätzchen trägt und mit den Händen isst – ein Fest der Gemeinschaft und des saisonalen Genusses.

Diese Gerichte sind keine falschen Paellas. Sie sind eigenständige, stolze Traditionen, die es wert sind, entdeckt zu werden. Wenn Sie im Frühling in der Region sind, ist der Besuch einer Calçotada oder das Probieren einer Fideuà in einem Restaurant am Strand eine authentische Erfahrung, die Ihren kulinarischen Horizont erweitert.

Warum Sie im Sommer keine Orangen essen sollten, wenn Sie Wert auf Regionalität legen?

Die gleiche Philosophie der kulinarischen Ehrlichkeit, die für die Paella gilt, erstreckt sich auf alle Produkte Valencias – insbesondere auf unser berühmtestes Exportgut: die Orange. Touristen verbinden Valencia untrennbar mit Orangen und erwarten, sie das ganze Jahr über frisch gepresst zu bekommen. Doch hier lauert die nächste Falle für den uninformierten Geniesser. Wer im August in Valencia einen „frischen“ Orangensaft bestellt, trinkt mit hoher Wahrscheinlichkeit importierte Ware.

Die Wahrheit ist: Valencianische Orangen sind eine Winter- und Frühlingsfrucht. Die Erntezeit beginnt im späten Herbst, etwa im Oktober, und erreicht ihren Höhepunkt zwischen Dezember und Mai. Im Sommer tragen die Bäume keine reifen Früchte. Die Orangen, die Sie dann auf den Märkten und in den Restaurants finden, stammen meist aus Südafrika oder Südamerika. Dies zu wissen, ist ein wesentlicher Bestandteil des Verständnisses für regionale und saisonale Küche.

Einheimische essen im Sommer andere Früchte, die dann Saison haben: saftige Aprikosen (Albaricoques), Melonen oder Pfirsiche. Die Besessenheit von Orangen im Sommer ist ein rein touristisches Phänomen. Die folgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick über die authentische saisonale Auswahl in Valencia:

Saisonale Früchte Valencia: Was wann authentisch ist
Jahreszeit Authentische regionale Früchte Zu vermeiden (Import)
Frühling (März-Mai) Nísperos (Mispeln), frühe Kirschen Mangos, Ananas
Sommer (Juni-August) Albaricoques (Aprikosen), Melonen, Pfirsiche Orangen, Mandarinen
Herbst (Sept-Nov) Granadas (Granatäpfel), Kakis, erste Orangen Erdbeeren, Kirschen
Winter (Dez-Feb) Orangen, Mandarinen, Clementinen Pfirsiche, Melonen

Dieser Respekt vor den Zyklen der Natur ist tief in unserer Esskultur verankert. Er gilt für das Gemüse in der Paella genauso wie für die Früchte zum Nachtisch. Wer also Wert auf Regionalität legt, sollte im Sommer die Finger von Orangen lassen. Es ist ein einfaches, aber starkes Statement für authentischen Genuss.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine echte Paella ist ein Ritual, kein Fast-Food. Sie erfordert Zeit, die richtigen Zutaten und wird mittags gegessen.
  • Der Reis (Arroz Bomba) ist der Star. Er muss die Brühe aufsaugen können, ohne matschig zu werden.
  • Der Socarrat, die knusprige Kruste am Boden, ist das Qualitätsmerkmal eines Meisters und kein Verbrennungsfehler.

Olivenöl statt Butter: Wie die spanische Küche Ihre Cholesterinwerte in 2 Wochen verbessern kann

Am Ende all dieser Regeln und Rituale steht ein Fundament, auf dem die gesamte spanische und mediterrane Küche ruht: das flüssige Gold, unser natives Olivenöl extra. Es ist mehr als nur ein Bratfett; es ist ein Gewürz, ein Gesundheitselixier und die Seele unserer Gastronomie. Während andere Küchen auf Butter oder Sahne setzen, ist bei uns das Olivenöl die Basis für fast alles, von der Paella bis zum einfachen Salat. Und genau hier liegt eines der grössten Geheimnisse für ein gesundes und langes Leben.

Die wissenschaftlichen Beweise sind überwältigend. Zahlreiche Studien, allen voran die grosse spanische PREDIMED-Langzeitstudie mit Tausenden von Teilnehmern, haben gezeigt, dass eine an Olivenöl reiche mediterrane Ernährung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen drastisch senkt, die Cholesterinwerte verbessert und sogar das Demenzrisiko um bis zu 20 Prozent reduzieren kann. Die ungesättigten Fettsäuren und Antioxidantien im hochwertigen Olivenöl sind ein wahrer Schutzschild für den Körper.

Besonders wertvoll ist die mediterrane Ernährung, weil sie eine Fülle an schützenden Inhaltsstoffen liefert. Das Olivenöl und die Nüsse enthalten viele gesunde Fettsäuren, die Herz und Gefässe in Balance halten.

– Sanotact Ernährungsexperten, Mittelmeer-Diät Ratgeber 2025

Die Philosophie der Paella – frische, unverarbeitete Zutaten, Respekt vor dem Produkt, langsame Zubereitung – ist letztlich ein Mikrokosmos der gesamten mediterranen Lebensweise. Es geht darum, Qualität über Quantität zu stellen und den reinen Geschmack guter Produkte für sich sprechen zu lassen. Der Umstieg von Butter auf hochwertiges Olivenöl ist dabei der einfachste und wirkungsvollste Schritt. Achten Sie auf die Bezeichnung „Natives Olivenöl Extra“ („Virgen Extra“), ein frisches Erntejahr und eine dunkle Flasche zum Schutz vor Licht. Selbst gute Bio-Öle bei Discountern wie Aldi oder Lidl können eine ausgezeichnete Wahl sein.

Hören Sie auf, nach Touristen-Menüs zu suchen. Fangen Sie an, Essen als Ausdruck von Kultur und Respekt zu sehen. Beginnen Sie noch heute damit, diese Philosophie in Ihrer eigenen Küche anzuwenden, indem Sie die besten und ehrlichsten Zutaten wählen, die Sie finden können. Das ist das wahre Vermächtnis Valencias.

Häufig gestellte Fragen zur Paella Valenciana

Woran erkenne ich eine gute Paella?

Eine gute Paella hat körnigen, geschmackvollen Reis und eine leichte Kruste am Boden – den sogenannten Socarrat. Der Reis sollte die Brühe vollständig aufgesogen haben, sodass das Gericht trocken und nicht suppig ist. Eine schlechte Paella ist oft zu feucht, die Zutaten sind wahllos gemischt oder der Geschmack wird von zu vielen Gewürzen überdeckt, anstatt vom Produkt selbst zu kommen.

Warum gilt Paella mit Meeresfrüchten nicht als authentisch?

Paella mit Meeresfrüchten, „Paella de Marisco“, ist ein eigenständiges und köstliches Gericht, das vor allem in den Küstengebieten Spaniens beliebt ist. Es gehört jedoch nicht zur originalen „Paella Valenciana“, deren Rezeptur im ländlichen Binnenland um Valencia entstand. Die traditionelle Version verwendet daher die Produkte des Landes: Huhn, Kaninchen und Bohnen, nicht die des Meeres.

Was bedeutet ‚authentische Paella‘ eigentlich?

Eine Paella gilt als authentisch, wenn sie nach der traditionellen Art aus Valencia zubereitet wird. Das bedeutet die Verwendung spezifischer Zutaten (Huhn, Kaninchen, Ferraúra- und Garrofó-Bohnen, Tomate, Safran, Olivenöl), des richtigen Reises (z.B. Bomba) und die Einhaltung des Zubereitungsprozesses. Die Organisation Wikipaella hat diese Standards offiziell definiert, um das kulinarische Erbe zu schützen.

Geschrieben von Miguel Kraus, Ausgebildeter Sommelier und ehemaliger Chefkoch mit baskisch-deutschen Wurzeln. Experte für spanische Gastronomie, Weinanbau und authentische lokale Produkte.