Veröffentlicht am August 12, 2024

Eine produktive Workation hängt weniger von der Aussicht als von der technischen Ausstattung der Ferienwohnung ab. Viele übersehene Details können zu unvorhergesehenen Kosten und Produktivitätseinbrüchen führen.

  • Verifizieren Sie die Internetgeschwindigkeit proaktiv und vertrauen Sie nicht auf pauschale Aussagen des Vermieters.
  • Unterschätzen Sie niemals die „Ergonomie-Falle“: Ein Küchentisch ist kein adäquater Langzeit-Arbeitsplatz.
  • Klären Sie alle Nebenkosten (Strom, Heizung, Steuern) und die rechtliche Situation (A1-Bescheinigung, Meldepflicht) vor der Buchung.

Empfehlung: Behandeln Sie die Auswahl Ihrer Ferienwohnung wie eine technische Due Diligence für ein temporäres Büro, nicht wie eine Urlaubsplanung. Dieser pragmatische Ansatz ist der Schlüssel zum Erfolg.

Der Gedanke ist verlockend: Den Laptop am Mittelmeer aufklappen, während in Deutschland der Herbst Einzug hält. Eine Workation verspricht die perfekte Symbiose aus produktiver Arbeit und entspanntem Lebensgefühl. Doch die Realität sieht oft anders aus. Der Traum vom „Home-Office unter Palmen“ kann sich schnell in einen Albtraum aus schlechtem WLAN, Rückenschmerzen und unerwarteten Kosten verwandeln. Viele Berufstätige und digitale Nomaden fokussieren sich auf den Standort und die Ästhetik der Unterkunft, übersehen dabei aber die kritischen technischen und vertraglichen Fallstricke.

Die üblichen Ratschläge – „auf gutes Internet achten“ oder „einen ruhigen Platz zum Arbeiten suchen“ – sind zwar richtig, aber oberflächlich. Sie helfen nicht, wenn die Internetverbindung bei jedem Videocall zusammenbricht, der Küchentisch nach drei Tagen zu Haltungsschäden führt oder am Ende des Monats eine horrende Stromrechnung ins Haus flattert. Die wahre Herausforderung liegt nicht darin, eine schöne Wohnung zu finden, sondern eine, die als vollwertiges Büro für einen längeren Zeitraum funktioniert. Es geht um eine professionelle Anforderungsanalyse, eine Art technische Due Diligence.

Doch was, wenn der Schlüssel zu einer erfolgreichen Workation nicht in der Hoffnung auf gute Bedingungen, sondern in deren systematischer Überprüfung vor der Buchung liegt? Dieser Artikel ist Ihr pragmatischer Leitfaden. Wir gehen über die Standardtipps hinaus und geben Ihnen konkrete, technische Checklisten und Handlungsanweisungen an die Hand. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Internetgeschwindigkeit aus der Ferne testen, die „Ergonomie-Falle“ umgehen, versteckte Kosten aufdecken und die wichtigsten bürokratischen Hürden für deutsche Arbeitnehmer meistern. So stellen Sie sicher, dass Ihre Workation nicht nur sonnig, sondern vor allem produktiv und stressfrei wird.

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Um Ihre nächste Workation strategisch zu planen und kostspielige Überraschungen zu vermeiden, haben wir diesen Guide in acht Kernbereiche unterteilt. Jeder Abschnitt liefert Ihnen eine detaillierte Analyse und praxisnahe Lösungen für die häufigsten Herausforderungen bei der Anmietung einer Ferienwohnung für die Arbeit.

Inhaltsverzeichnis: Die technische Due Diligence für Ihre Workation-Wohnung

Wie Sie den Vermieter bitten, einen Speedtest zu machen, bevor Sie für einen Monat buchen?

Die Aussage „WLAN vorhanden“ in einer Wohnungsanzeige ist für eine Workation wertlos. Die Stabilität und Geschwindigkeit der Internetverbindung sind das technische Fundament Ihrer Produktivität. Ein langsamer Upload kann Videokonferenzen unmöglich machen, ein hoher Ping-Wert sorgt für frustrierende Verzögerungen. Verlassen Sie sich daher niemals auf pauschale Zusicherungen. Stattdessen müssen Sie proaktiv eine Verifizierung der Verbindungsqualität einfordern. Dies ist kein unhöfliches Misstrauen, sondern ein professioneller Standard für jeden Remote-Arbeiter.

Für eine reibungslose Tätigkeit im Home-Office sind die Anforderungen klar definiert. Experten empfehlen, dass Sie für stabiles Homeoffice mindestens 50 Mbit/s Download und 10 Mbit/s Upload zur Verfügung haben sollten. Gerade die Upload-Geschwindigkeit wird oft vernachlässigt, ist aber für das Senden grosser Dateien und für die Qualität Ihrer Videoübertragung entscheidend. Fordern Sie vom Vermieter einen Screenshot eines Speedtests (z.B. von speedtest.net), der klar Upload, Download und den Ping-Wert (Latenz) zeigt. Ein Ping-Wert unter 50 Millisekunden ist für interaktive Anwendungen wie Videocalls erstrebenswert.

Bitten Sie zudem um spezifische Informationen zur Art der Verbindung. Handelt es sich um eine stabile Glasfaser- oder DSL-Leitung oder um eine potenziell unzuverlässige Satelliten- (z.B. Starlink) oder Mobilfunklösung? Fragen Sie auch nach dem Standort des Routers. Befindet er sich direkt in der Wohnung oder im Keller des Gebäudes? Ein kurzer Videoanruf aus der Wohnung kann ebenfalls helfen, die Signalstärke live zu testen. Parallel sollten Sie immer die 4G/5G-Netzabdeckung am Standort über Portale wie nperf.com prüfen, um eine Backup-Lösung per mobilem Hotspot einplanen zu können.

Tischhöhe und Stuhlqualität: Warum der Küchentisch Ihren Rücken nach 3 Tagen ruinieren wird?

Eine der grössten Fehleinschätzungen bei der Planung einer Workation ist die Annahme, ein möblierter Essbereich sei ein adäquater Arbeitsplatz. Die sogenannte „Ergonomie-Falle“ ist real: Ein stilvoller, aber unpassender Küchentisch und harte Holzstühle können bereits nach wenigen Tagen zu Nackenverspannungen, Rückenschmerzen und einem massiven Produktivitätseinbruch führen. Die Standardhöhe eines Esstisches (ca. 74-78 cm) ist für die Arbeit am Laptop meist zu hoch, was zu einer unnatürlichen Haltung der Arme und Schultern führt. Dauerhaftes Arbeiten in dieser Position ist gesundheitlich bedenklich und sabotiert die Konzentration.

Ein ergonomischer Arbeitsplatz erfordert, dass sich der obere Bildschirmrand auf Augenhöhe befindet und Ihre Arme im 90-Grad-Winkel auf der Tischplatte aufliegen können. Mit einem Laptop auf einem normalen Tisch ist dies physisch unmöglich. Die Lösung liegt nicht darin, eine Wohnung mit einem perfekten Büroschreibtisch zu finden – diese sind selten. Die Lösung ist eine pragmatische, improvisierte Ergonomie, die Sie mit wenigen Mitteln selbst herstellen können.

Ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz mit Laptop-Ständer und externer Tastatur

Wie das Bild zeigt, sind die wichtigsten Werkzeuge ein Laptop-Ständer sowie eine externe Tastatur und Maus. Diese drei Gegenstände sind leicht, passen in jedes Gepäck und verwandeln jeden Tisch in einen funktionalen Arbeitsplatz. Der Laptop-Ständer (oder ein Stapel Bücher) bringt den Bildschirm auf die richtige Höhe, während die externe Tastatur und Maus eine neutrale und entspannte Haltung von Handgelenken und Armen ermöglichen. Ergänzen Sie dies mit einem gerollten Handtuch als Lordosenstütze für den unteren Rücken und einer improvisierten Fussstütze (z.B. ein Koffer oder eine Kiste), um eine gesunde Sitzposition zu gewährleisten.

Fragen Sie den Vermieter vorab nach Fotos der Stühle. Gepolsterte Stühle sind immer besser als harte Holz- oder Plastikstühle. Eine kleine, USB-betriebene Schreibtischlampe kann ebenfalls einen grossen Unterschied machen, da die Deckenbeleuchtung in Ferienwohnungen oft unzureichend für konzentriertes Arbeiten ist.

Das Risiko, eine Wohnung ohne Heizung zu mieten, wenn es nachts 5 Grad kalt wird

Südeuropäische Länder wie Spanien, Portugal oder Italien assoziiert man mit Wärme und Sonne. Doch dieser Eindruck kann täuschen, besonders ausserhalb der Hochsaison. In den Wintermonaten können die Temperaturen nachts durchaus auf 5°C oder sogar darunter fallen. Das Hauptproblem: Viele Ferienwohnungen in diesen Regionen sind für den Sommer gebaut. Eine schlechte Isolierung, Einfachverglasung und kalte Steinfussböden sind die Norm. Eine Wohnung ohne eine adäquate und kosteneffiziente Heizmöglichkeit zu mieten, kann Ihre Workation schnell zu einer zitternden und teuren Erfahrung machen.

Die gängigen Heizmethoden in Ferienwohnungen bergen oft versteckte Nachteile. Klimaanlagen mit Heizfunktion sind weit verbreitet, aber oft laut und energetisch ineffizient, was die Stromkosten in die Höhe treibt (bis zu 150 €/Monat zusätzlich sind keine Seltenheit). Mobile Elektroradiatoren sind ebenfalls wahre Stromfresser. Gasöfen können eine Alternative sein, erfordern aber aus Sicherheitsgründen zwingend einen Kohlenmonoxidmelder und regelmässige Belüftung. Eine Zentralheizung, wie in Deutschland üblich, ist eine Seltenheit und läuft oft nur stundenweise nach einem festen Zeitplan des Gebäudes. Klären Sie daher die Heizungssituation mit der gleichen Sorgfalt wie die Internetverbindung.

Stellen Sie dem Vermieter präzise Fragen, um die Situation korrekt einschätzen zu können. Eine pauschale Zusage wie „Heizung vorhanden“ reicht nicht aus. Sie müssen die Art, die Kosten und die Funktionsweise verstehen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen und kalte Überraschungen zu vermeiden. Die folgende Checkliste dient Ihnen als Leitfaden für das Gespräch mit dem Vermieter.

Ihre Checkliste: Wichtige Fragen an den Vermieter zur Heizung

  1. Heizungsart: Fragen Sie, wie genau die Wohnung beheizt wird und welche Art von Heizkörpern (Klimaanlage, Elektroradiator, Gasofen, Zentralheizung) vorhanden ist.
  2. Kostenübernahme: Klären Sie, ob die Heizkosten im Mietpreis pauschal enthalten sind oder nach Verbrauch abgerechnet werden.
  3. Verbrauchshistorie: Bitten Sie um eine Schätzung der durchschnittlichen Heizkosten der Vormieter in der gleichen Jahreszeit.
  4. Zusatzausstattung: Erkundigen Sie sich, ob zusätzliche Decken bereitgestellt werden und fragen Sie gezielt nach der Isolierung der Wohnung (z.B. doppelt verglaste Fenster).
  5. Betriebszeiten: Stellen Sie sicher, dass die Heizung durchgehend funktioniert und nicht nur zu bestimmten, vom Vermieter festgelegten Zeiten.

Strom und Wasser: Wer zahlt die Rechnung bei einem Aufenthalt von mehr als 4 Wochen?

Bei kurzfristigen Ferienvermietungen sind Nebenkosten wie Strom und Wasser in der Regel im Preis inbegriffen. Sobald Sie jedoch einen Aufenthalt von mehr als vier Wochen planen – eine typische Dauer für eine Workation –, ändern sich die Spielregeln häufig. Viele Vermieter wechseln bei Langzeitaufenthalten zu einem Modell, bei dem die Nebenkosten nach tatsächlichem Verbrauch abgerechnet werden. Diese Kosten-Intransparenz stellt ein erhebliches finanzielles Risiko dar, insbesondere wenn Sie die lokalen Preise und den Zustand der Wohnung nicht kennen.

Eine schlecht isolierte Wohnung mit alten Elektrogeräten und einer ineffizienten Elektroheizung kann schnell zu einer Kostenfalle werden. Gerade in Spanien liegt der durchschnittliche Strompreis bei etwa 0,25 €/kWh, was bei hohem Verbrauch durch Heizen, Klimaanlage und durchgehenden Betrieb von Arbeitsgeräten zu einer monatlichen Stromrechnung von 200 € und mehr führen kann. Diese unerwarteten Ausgaben können Ihr Workation-Budget erheblich belasten. Es ist daher unerlässlich, vor der Buchung vollständige Transparenz über die Abrechnungsmodalitäten zu schaffen.

Fordern Sie eine klare, schriftliche Vereinbarung. Der Mietvertrag sollte unmissverständlich regeln, ob die Nebenkosten pauschal enthalten sind oder separat abgerechnet werden. Im Falle einer verbrauchsabhängigen Abrechnung sollten Sie um Kopien der Stromrechnungen der Vormieter aus einem vergleichbaren Zeitraum bitten, um eine realistische Kostenschätzung zu erhalten. Der wichtigste Schritt zur Absicherung ist die gemeinsame Dokumentation der Zählerstände. Fotografieren Sie bei der Wohnungsübergabe (sowohl bei Einzug als auch bei Auszug) gemeinsam mit dem Vermieter die Zähler für Strom und Wasser. Halten Sie diese Werte in einem schriftlichen Übergabeprotokoll fest, das von beiden Parteien unterzeichnet wird. Dies schafft eine unanfechtbare Grundlage für die Endabrechnung und schützt Sie vor überhöhten Forderungen.

Müssen Sie sich anmelden, wenn Sie 3 Monate in einer spanischen Ferienwohnung arbeiten?

Die Freiheit der Remote-Arbeit entbindet nicht von bürokratischen Pflichten. Sobald Sie als deutscher Arbeitnehmer im EU-Ausland tätig werden, auch nur für einige Wochen, betreten Sie ein Feld mit klaren sozialversicherungs- und steuerrechtlichen Regelungen. Diesen „Bürokratie-Sprint“ vor der Abreise zu ignorieren, kann zu empfindlichen Problemen mit den deutschen und spanischen Behörden führen. Die beiden wichtigsten Themen sind die Sozialversicherung und die Steuerpflicht.

Für die Sozialversicherung ist die sogenannte A1-Bescheinigung von zentraler Bedeutung. Dieses Dokument bestätigt, dass Sie weiterhin dem deutschen Sozialversicherungsrecht unterliegen, während Sie vorübergehend im Ausland arbeiten. Ohne diese Bescheinigung könnten im Gastland Sozialversicherungsbeiträge fällig werden. Die Beantragung erfolgt in der Regel elektronisch durch den Arbeitgeber. Es ist wichtig zu wissen, dass die A1-Bescheinigung gesetzlich verpflichtend für 100% der deutschen Arbeitnehmer bei jeder, auch nur eintägigen, beruflichen Tätigkeit im EU-Ausland ist.

Übersicht wichtiger Dokumente für Workation in Spanien

Steuerlich relevant ist vor allem die 183-Tage-Regel. Solange Ihr Aufenthalt in Spanien innerhalb eines Kalenderjahres unter 183 Tagen bleibt und Ihr Gehalt weiterhin von einem deutschen Arbeitgeber gezahlt wird, bleiben Sie in der Regel in Deutschland steuerpflichtig. Bei längeren Aufenthalten oder wenn Sie als Freelancer für spanische Kunden arbeiten, wird die Situation komplexer und eine steuerliche Beratung ist dringend zu empfehlen. Was die polizeiliche Meldepflicht betrifft, so besteht in Spanien für EU-Bürger bei Aufenthalten von bis zu drei Monaten in der Regel keine Pflicht zur Anmeldung (Empadronamiento). Planen Sie jedoch, länger als drei Monate zu bleiben, müssen Sie sich beim Einwohnermeldeamt anmelden und eine spanische Identifikationsnummer für Ausländer (NIE) beantragen.

Kurtaxe und Ecotasa: Was kostet Sie der Aufenthalt pro Nacht zusätzlich vor Ort?

Neben den Miet- und Nebenkosten gibt es eine weitere Kostenart, die oft übersehen wird: lokale Tourismusabgaben. In vielen beliebten Urlaubsregionen, insbesondere in Spanien, wird eine sogenannte Kurtaxe oder Touristensteuer erhoben. Auf den Baleareninseln (Mallorca, Ibiza, Menorca, Formentera) ist diese als Ecotasa bekannt. Diese Steuer wird pro Person und pro Nacht berechnet und ist in der Regel nicht im auf Buchungsplattformen angezeigten Preis enthalten, sondern muss direkt vor Ort an den Vermieter gezahlt werden. Bei einem mehrwöchigen Aufenthalt kann sich hier schnell ein relevanter Betrag summieren.

Die Höhe der Ecotasa ist gestaffelt und hängt von der Jahreszeit sowie der Art der Unterkunft ab. In der Hauptsaison (Mai bis Oktober) ist sie deutlich höher als in der Nebensaison (November bis April). Für Langzeitaufenthalte gibt es eine wichtige Regelung: Ab der neunten Nacht reduziert sich der Tagessatz um 50 %. Ausserdem wird die Ecotasa auf Mallorca maximal für 30 Tage eines ununterbrochenen Aufenthalts erhoben, was die Belastung für Workation-Gäste begrenzt. Kinder unter 16 Jahren sind von der Steuer befreit. Die genauen Sätze können sich ändern, daher ist es ratsam, die aktuellen Gebühren vor der Reise zu prüfen.

Der folgende Überblick zeigt die typischen Gebühren für Ferienwohnungen auf den Balearen. Diese Daten stammen aus einer aktuellen Analyse der Ecotasa-Regelungen und helfen Ihnen, die zusätzlichen Kosten genau zu kalkulieren.

Ecotasa-Gebühren auf den Balearen
Zeitraum Unterkunftstyp Preis pro Nacht Besonderheiten
Mai-Oktober Ferienwohnung/Finca 2,20€ (inkl. MwSt) Ab 9. Nacht: 50% Rabatt
November-April Ferienwohnung/Finca 0,55€ (inkl. MwSt) Ab 9. Nacht: 50% Rabatt
Ganzjährig 5-Sterne-Hotel 4,40€ (inkl. MwSt) Kinder unter 16: befreit
Ganzjährig Hostel/Pension 1,10€ (inkl. MwSt) Max. 30 Tage zahlbar

Wie Sie Ihr deutsches Kennzeichen für die Umweltzone Barcelona registrieren, um 200 € Strafe zu vermeiden?

Wenn Sie planen, mit dem eigenen Auto anzureisen, müssen Sie sich mit den lokalen Verkehrsregelungen auseinandersetzen. Ein besonders relevantes Beispiel ist die Umweltzone (Zona de Baixes Emissions – ZBE) in Barcelona. Diese Zone umfasst nahezu das gesamte Stadtgebiet und soll die Luftqualität verbessern. Die Einfahrt ist für Fahrzeuge ohne entsprechende Umweltplakette oder Registrierung an Werktagen zwischen 7:00 und 20:00 Uhr verboten. Ein Verstoss wird mit Bussgeldern von bis zu 200 € geahndet. Die Annahme, eine deutsche grüne Plakette würde automatisch zur Einfahrt berechtigen, ist ein gefährlicher Trugschluss.

Obwohl deutsche Fahrzeuge mit grüner Plakette die Emissionsstandards in der Regel erfüllen, müssen sie vor der Einfahrt in die ZBE im System der Stadtverwaltung von Barcelona (AMB) registriert werden. Dieser Prozess ist nicht sofort wirksam und erfordert Vorlaufzeit. Die Registrierung sollte mindestens 15 Werktage vor der geplanten Ankunft online auf der offiziellen Website des AMB erfolgen. Hierfür müssen Sie eine Kopie Ihres Fahrzeugscheins und einen Nachweis über die deutsche Umweltplakette hochladen. Nach einer Bearbeitungszeit erhalten Sie eine Bestätigung per E-Mail, die Sie als Nachweis mitführen sollten.

Die Regeln können sich kurzfristig ändern, daher ist eine Verifizierung vor jeder Reise unerlässlich. Sollten Sie die Registrierung versäumen oder kurzfristig anreisen, gibt es eine sichere Alternative: Nutzen Sie die zahlreichen P+R (Park & Ride) Parkplätze am Rande der Umweltzone. Dort können Sie Ihr Fahrzeug für etwa 5 € pro Tag abstellen und bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Stadtzentrum fahren. Dies ist oft nicht nur günstiger als das Parken in der Innenstadt, sondern auch deutlich stressfreier und schützt Sie zuverlässig vor hohen Bussgeldern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verifizieren, nicht vertrauen: Fordern Sie aktive Nachweise für kritische Infrastruktur wie Internetgeschwindigkeit (Speedtest) und die Legalität der Wohnung (ETV-Lizenz).
  • Versteckte Kosten aufdecken: Kalkulieren Sie bei Langzeitaufenthalten immer verbrauchsabhängige Nebenkosten (Strom, Heizung) und lokale Steuern (Ecotasa) mit ein.
  • Ergonomie ist nicht verhandelbar: Packen Sie eine externe Tastatur, Maus und einen Laptop-Ständer ein. Ihre Produktivität und Ihre Gesundheit hängen davon ab.

Illegale Ferienwohnungen: Wie Sie auf Mallorca Bussgelder und Betrug bei der Buchung vermeiden

Der letzte und vielleicht wichtigste Punkt Ihrer technischen Due Diligence ist die Überprüfung der Legalität der angebotenen Ferienwohnung. Besonders in beliebten Regionen wie Mallorca gibt es einen grossen Schwarzmarkt für illegale Ferienvermietungen. Eine Buchung einer solchen Unterkunft birgt erhebliche Risiken: Sie reichen von Betrug, bei dem die Wohnung gar nicht existiert, bis hin zu rechtlichen Konsequenzen. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass nur der Vermieter bei einer illegalen Vermietung belangt wird.

Die rechtliche Grundlage für die Ferienvermietung auf den Balearen ist die ETV-Lizenz (Estancia Turística en Viviendas). Jede legal vermietete Ferienwohnung oder Finca muss über eine solche Lizenz verfügen. Die Lizenznummer (z.B. ETV/12345) muss in jeder Anzeige, sei es auf Airbnb, Booking.com oder einer privaten Webseite, klar und deutlich angegeben sein. Fehlt diese Nummer, ist das ein erstes, massives Warnsignal. Sie können und sollten die Gültigkeit jeder angegebenen ETV-Nummer auf dem offiziellen Online-Portal des balearischen Tourismusministeriums überprüfen. Diese Lizenz-Verifizierung ist Ihr wirksamster Schutz vor Betrug.

Fallbeispiel: Die Konsequenzen für Mieter einer illegalen Ferienwohnung

Entgegen der landläufigen Meinung können nicht nur Vermieter, sondern auch die Mieter einer illegalen Wohnung mit Bussgeldern belegt werden. Dies ist zwar selten, aber im Falle einer behördlichen Kontrolle ein reales Risiko. Die weitaus gravierendere Konsequenz ist jedoch, dass Sie im schlimmsten Fall aufgefordert werden können, die Wohnung sofort zu verlassen. Das bedeutet, Ihre bereits bezahlte Miete ist verloren, und Sie stehen ohne Unterkunft da. Dies unterstreicht, dass das regulierte, legale Angebot durch die Überprüfung der ETV-Lizenz nicht nur die Behörden, sondern vor allem Sie als Mieter schützt.

Seien Sie wachsam bei weiteren „Red Flags“: Unrealistisch günstige Preise für eine Top-Lage, ausschliesslich perfekte Stockfotos, die keine persönlichen Details zeigen, fehlende oder gefälschte Bewertungen und insbesondere der Druck des Vermieters, die Zahlung schnell und ausserhalb der sicheren Systeme der Buchungsplattform abzuwickeln. Eine seriöse Vermietung ist ein transparenter Prozess. Ihre Sorgfalt bei der Lizenz-Verifizierung ist die finale Absicherung für eine erfolgreiche und rechtssichere Workation.

Um Ihre Investition und Ihre Reisepläne zu schützen, ist es unerlässlich zu verstehen, wie Sie illegale Angebote erkennen und vermeiden können.

Mit dieser technischen Checkliste sind Sie nun gerüstet, Ihre nächste Workation nicht nur zu erträumen, sondern professionell zu planen. Indem Sie diese kritischen Punkte systematisch vor jeder Buchung prüfen, minimieren Sie Risiken und schaffen die Grundlage für eine maximal produktive und erholsame Zeit im Ausland. Beginnen Sie noch heute damit, diese Strategien anzuwenden, um Ihre nächste Remote-Arbeitsphase zu einem vollen Erfolg zu machen.

Häufig gestellte Fragen zum Home-Office in der Ferienwohnung

Was ist eine ETV-Nummer und wie sieht sie aus?

Die ETV-Nummer (Estancia Turística en Viviendas) ist die offizielle Lizenznummer für Ferienvermietungen auf den Balearen. Sie hat das Format ETV/12345 und muss in jeder legalen Anzeige angegeben sein.

Wie kann ich die Gültigkeit einer ETV-Nummer überprüfen?

Auf dem Portal des balearischen Tourismusministeriums können Sie durch Eingabe der Adresse oder ETV-Nummer die Gültigkeit der Lizenz überprüfen.

Welche Red Flags deuten auf Betrug hin?

Warnsignale sind: Druck zur schnellen Zahlung ausserhalb der Plattform, zu perfekte Stockfotos, fehlende oder gefälschte Bewertungen, unrealistisch günstige Preise.

Geschrieben von Jonas Eicher, Rechtsanwalt mit Zulassung in Frankfurt und Madrid, spezialisiert auf spanisches Verkehrs- und Immobilienrecht. Seit 12 Jahren berät er deutsche Expats und Urlauber bei rechtlichen Hürden auf der Iberischen Halbinsel.