
Die Alhambra ist mehr als nur ein Palast; sie ist ein in Stein gemeisselter philosophischer Text, den die meisten Besucher übersehen.
- Das Wassersystem ist keine Dekoration, sondern eine Metapher für göttliche Gnade und technische Meisterschaft.
- Die Kachelmuster sind keine blosse Zierde, sondern mathematische Darstellungen der Unendlichkeit und der Einheit Gottes (Tawhid).
Empfehlung: Betrachten Sie die Alhambra nicht als Sehenswürdigkeit, sondern lernen Sie, ihre symbolische Sprache zu lesen, um ihr wahres Erbe zu verstehen.
Jeder Besucher der Alhambra spürt es: eine von Ehrfurcht durchdrungene Stille, die von den plätschernden Brunnen und den schattigen Innenhöfen ausgeht. Man verliert sich in der schieren Schönheit der filigranen Stuckarbeiten und der leuchtenden Kacheln. Die gängigen Reiseführer sprechen von einem „irdischen Paradies“ oder einem Meisterwerk maurischer Baukunst. Diese Beschreibungen sind zwar korrekt, bleiben aber an der Oberfläche einer weitaus tieferen Realität. Sie beschreiben den Körper, aber nicht die Seele dieses Ortes. Sie erwähnen die Ästhetik, aber übergehen die komplexe intellektuelle und spirituelle Matrix, die sie hervorgebracht hat.
Die wahre Genialität der Alhambra liegt nicht allein in ihrer Schönheit, sondern in ihrer Funktion als begehbarer philosophischer und theologischer Text. Sie ist die physische Manifestation von Jahrhunderten islamischer Gelehrsamkeit in den Bereichen Mathematik, Ingenieurwesen, Astronomie und Mystik. Doch was, wenn der Schlüssel zum Verständnis nicht in der Bewunderung der Form liegt, sondern in der Entschlüsselung des Codes dahinter? Was, wenn jeder Wasserlauf, jedes geometrische Muster und jeder Lichteinfall eine bewusste Aussage über das Wesen des Göttlichen und die Ordnung des Kosmos ist?
Dieser Artikel verlässt die ausgetretenen Pfade der touristischen Erklärungen. Wir werden die Alhambra nicht als eine Ansammlung von Palästen und Gärten betrachten, sondern als ein kohärentes Gesamtkunstwerk, dessen Symbolik sich erst dem erschliesst, der die richtigen Fragen stellt. Wir werden die Ingenieurskunst hinter der Wasserversorgung analysieren, die mathematische Unendlichkeit in den Mustern aufdecken und die subtilen Unterschiede zwischen islamischer und christlicher Baukunst beleuchten. Bereiten Sie sich darauf vor, die Alhambra nicht nur zu sehen, sondern sie zu lesen.
Um die verborgenen Schichten dieses architektonischen Wunders systematisch zu enthüllen, folgt dieser Artikel einer klaren Struktur. Jeder Abschnitt widmet sich einer spezifischen Frage, die Sie über die üblichen Erklärungen hinausführt und Ihnen die Werkzeuge an die Hand gibt, die Symbolik der Alhambra selbst zu entschlüsseln.
Inhaltsverzeichnis: Die verborgene Sprache der Alhambra
- Warum das Wassersystem der Generalife-Gärten auch nach 700 Jahren noch funktioniert?
- Wie Sie die Unendlichkeit in den Kachelmustern der Nasridenpaläste erkennen?
- Königlicher Palast oder Festung: Welches Bauwerk repräsentiert die Mudéjar-Kunst besser?
- Die Gefahr, dass moderne Eingriffe die historische Substanz verfälschen
- Wann das Licht im Löwenhof perfekt steht, um die Säulen ohne Schatten zu fotografieren?
- Warum Sie die Alhambra-Tickets exakt 3 Monate im Voraus buchen müssen?
- Warum 4000 spanische Wörter arabischen Ursprungs sind und was das über die Kultur verrät?
- Alhambra & Sagrada Família: Wie Sie Tickets für ausgebuchte Attraktionen doch noch ergattern?
Warum das Wassersystem der Generalife-Gärten auch nach 700 Jahren noch funktioniert?
Die allgegenwärtige Präsenz von Wasser in der Alhambra – in Kanälen, Becken und Springbrunnen – wird oft als blosses Symbol für Leben und Reinheit interpretiert. Dies ist jedoch nur die poetische Oberfläche eines ingenieurtechnischen Meisterwerks, dessen Funktionsfähigkeit bis heute verblüfft. Das Herzstück dieses Systems ist der Acequia Real, der Hauptkanal, der Wasser vom Fluss Darro über mehrere Kilometer in die Palaststadt leitet. Dieses System ist keine simple Leitung, sondern eine Demonstration der vollständigen Beherrschung der Hydrodynamik, die es ermöglicht, Wasser allein durch die Schwerkraft präzise zu verteilen, zu stauen und unter Druck zu setzen, um die berühmten Springbrunnen zu betreiben.
Die Genialität liegt in der Symbiose aus Funktionalität und Symbolik. Jeder Kanal, der einen Garten durchquert, ist nicht nur Bewässerung, sondern auch eine visuelle und akustische Komponente der Architektur. Das Wasser wurde bewusst so geleitet, dass sein Geräusch eine beruhigende, meditative Atmosphäre schafft. Laut einer technischen Analyse der Alhambra-Wassersysteme umfasst das Acequia Real Kanalsystem über 6 Kilometer Länge. Diese gewaltige Ingenieursleistung sicherte nicht nur die Versorgung der Palaststadt, sondern festigte ihre Identität als autarke Oase. Die Schaffung des Sultan-Kanals (Saqiyat al-Sultan), der Wasser aus den Bergen brachte, war ein entscheidender Schritt, der die Alhambra von einer reinen Festung in eine blühende Palaststadt verwandelte.

Wie dieses Bild der feingearbeiteten Kanäle zeigt, geht es um mehr als nur Wassertransport. Es ist die physische Manifestation von Kontrolle, Wissen und letztlich göttlicher Gnade. Im trockenen Klima Andalusiens war die Fähigkeit, Wasser in dieser Fülle und mit solcher Präzision zu lenken, ein fast göttlicher Akt. Der Generalife, oft als „Garten des Architekten“ (Jannat al-ʿArīf) übersetzt, kann somit auch als Garten des ultimativen Architekten – Gottes – verstanden werden, in dem das Wasser als Symbol für seine unendliche Gnade fliesst. Die Technik ist hier kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um eine theologische Aussage zu treffen.
Wie Sie die Unendlichkeit in den Kachelmustern der Nasridenpaläste erkennen?
Die geometrischen Kachelmosaike (Zellij) und Stuckarbeiten der Nasridenpaläste werden oft als „dekorativ“ abgetan. Doch dies verkennt ihre tiefgreifende intellektuelle und spirituelle Funktion. Diese Muster sind keine willkürliche Zierde, sondern angewandte Mathematik und Theologie. Sie sind der visuelle Ausdruck des zentralen islamischen Konzepts des Tawhid – der unteilbaren Einheit und Einzigkeit Gottes. Da die Darstellung von Lebewesen im sakralen Kontext vermieden wurde, perfektionierten die Künstler und Mathematiker von Al-Andalus die abstrakte Kunst, um das Göttliche darzustellen.
Der Schlüssel zum Verständnis liegt im Prinzip der Tessellation, der lückenlosen Parkettierung einer Fläche mit sich wiederholenden geometrischen Formen. Diese Muster sind so konzipiert, dass sie sich theoretisch unendlich in alle Richtungen ausdehnen lassen. Sie haben keinen Anfang und kein Ende, was eine Metapher für die Unendlichkeit und Allgegenwart Gottes ist. Der Betrachter soll nicht ein einzelnes Bild sehen, sondern in ein System eintauchen, das die Grenzen des Rahmens sprengt. Es ist eine visuelle Übung in der Kontemplation des Unendlichen. Die Komplexität dieser Muster war aussergewöhnlich, wie Vergleiche zeigen: Islamische Kunst kennt Muster mit bis zu 16-strahligen Sternen wie in der Alhambra, die zwischen 1338 und 1390 entstanden.
Die Muqarnas in der Alhambra erreichen ein in der westlichen islamischen Welt einzigartig hohes Mass an Komplexität. Inzwischen stellen sie sogar ein eigenes Forschungsgebiet an der EPFL, der Eidgenössischen Technischen Hochschule von Lausanne dar.
– Ambiente Mediterran, über die wissenschaftliche Bedeutung der Muqarnas
Diese Komplexität gipfelt in den Muqarnas, den oft als „Stalaktitengewölbe“ bezeichneten dreidimensionalen geometrischen Strukturen. Sie sind keine reinen Ornamente, sondern komplexe räumliche Gebilde, die aus einfachen geometrischen Grundelementen zusammengesetzt sind. Sie transformieren eine flache Decke in ein schimmerndes, fast himmlisches Firmament, das die Komplexität und zugleich die perfekte Ordnung des Universums symbolisiert. Dass diese Strukturen heute Gegenstand moderner Forschung sind, beweist, dass wir es hier mit angewandter Wissenschaft und nicht nur mit Kunsthandwerk zu tun haben.
Königlicher Palast oder Festung: Welches Bauwerk repräsentiert die Mudéjar-Kunst besser?
Die Begriffe „maurisch“, „nasridisch“ und „Mudéjar“ werden oft synonym verwendet, was zu erheblichen Missverständnissen führt. Während die Alhambra das unübertroffene Meisterwerk des Nasriden-Stils darstellt – der Kunst der letzten muslimischen Dynastie auf der Iberischen Halbinsel –, ist die Mudéjar-Kunst etwas fundamental anderes. Der Mudéjar-Stil entstand nach der christlichen Rückeroberung (Reconquista), als muslimische Handwerker (Mudéjares) im Auftrag christlicher Herrscher arbeiteten. Er ist somit ein Hybridstil, ein faszinierendes Zeugnis des kulturellen Austauschs und der künstlerischen Synthese.
Ein königlicher Palast wie der Alcázar von Sevilla, der hauptsächlich unter christlicher Herrschaft von Peter I. von Kastilien erbaut wurde, repräsentiert die Mudéjar-Kunst daher weitaus besser als die Alhambra. Obwohl er viele islamische Stilelemente wie Gipsarbeiten (Yesería), Kacheln (Azulejos) und Höfe mit Wasserläufen aufweist, sind diese in einen christlichen Kontext integriert. Die Symbolik verändert sich: Arabische Inschriften preisen nun einen christlichen König, und gotische Architekturelemente verschmelzen mit islamischen Ornamenten. Die Alhambra hingegen ist ein reines, kohärentes Statement nasridischer Kultur und Macht. Der folgende Vergleich verdeutlicht die zentralen Unterschiede:
| Aspekt | Nasriden-Stil (Alhambra) | Mudéjar-Stil |
|---|---|---|
| Auftraggeber | Muslimische Herrscher für muslimische Nutzung | Christliche Herrscher mit islamischen Handwerkern |
| Zeitraum | 13.-15. Jahrhundert | Nach der Reconquista (ab 1492) |
| Materialien | Edlere Materialien, aufwendige Stuckarbeiten | Günstigere Materialien wie Gips und Ziegel |
| Symbolik | Rein islamische Ikonographie | Mischung christlicher und islamischer Elemente |
| Beispiele | Alhambra Granada | Alcázar von Sevilla, Kathedrale von Teruel |
Die Unterscheidung ist entscheidend für das Verständnis der spanischen Geschichte. Die Alhambra ist der Höhe- und Endpunkt einer eigenständigen islamischen Zivilisation in Europa. Der Mudéjar-Stil ist hingegen das künstlerische Erbe dieser Zivilisation, das nach deren politischem Ende weiterlebte und die spanische Kultur für immer prägte. Er ist ein Symbol für Koexistenz und Adaption, während die Alhambra ein Symbol für souveräne kulturelle Blüte ist.
Die Gefahr, dass moderne Eingriffe die historische Substanz verfälschen
Die Alhambra ist kein statisches Museum, sondern ein lebendiger Organismus, der seit Jahrhunderten restauriert, verändert und interpretiert wird. Diese fortwährende Auseinandersetzung birgt jedoch eine immanente Gefahr: die Verfälschung der ursprünglichen historischen und ästhetischen Intention. Seit die Alhambra seit 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, unterliegen alle Eingriffe strengsten wissenschaftlichen und denkmalpflegerischen Auflagen. Dennoch bleibt die Frage nach der „richtigen“ Restaurierung eine permanente Herausforderung.
Ein zentrales Dilemma ist der Umgang mit dem sogenannten Horror Vacui, der „Furcht vor der Leere“, die in der islamischen Kunst dazu führte, fast jede Oberfläche mit Ornamenten zu bedecken. Viele dieser Oberflächen waren ursprünglich farbig bemalt. Heutige Besucher sehen meist den reinen Stuck oder das blanke Holz, eine Ästhetik, die eher dem westlichen Klassizismus des 19. Jahrhunderts entspricht als dem farbenfrohen Originalzustand. Eine vollständige Rekonstruktion der Farben würde jedoch als kitschig empfunden und die über Jahrhunderte entstandene Patina zerstören. Man bewegt sich also auf einem schmalen Grat zwischen wissenschaftlicher Rekonstruktion und gewachsener Ästhetik.
Ein weiteres Problem ist der immense Druck durch den Massentourismus. Die ständige Präsenz von Tausenden von Besuchern führt zu Abnutzung, Feuchtigkeitsschäden durch Atemluft und einem generellen Verlust der kontemplativen Atmosphäre, für die die Anlage geschaffen wurde. Jeder moderne Eingriff, sei es eine neue Beleuchtungsanlage, ein Leitsystem oder eine Sicherheitsabsperrung, muss sorgfältig abgewogen werden, um die fragile historische Substanz nicht zu beeinträchtigen. Die grösste Gefahr besteht darin, dass die Alhambra schrittweise von einem authentischen historischen Ort zu einer perfektionierten, aber seelenlosen Touristenkulisse wird.
Wann das Licht im Löwenhof perfekt steht, um die Säulen ohne Schatten zu fotografieren?
Die Frage nach dem perfekten Fotolicht im Löwenhof ist mehr als eine technische Angelegenheit für Hobbyfotografen. Sie führt uns direkt zur spirituellen Bedeutung des Lichts in der islamischen Architektur. Das Licht (arabisch: Nūr) ist im Islam nicht nur Helligkeit, sondern ein Symbol für göttliche Offenbarung und Wissen. Die Architekten der Alhambra waren Meister darin, das Licht zu inszenieren – es zu filtern, zu brechen und zu reflektieren, um eine transzendente Atmosphäre zu schaffen.
Um die 124 filigranen Marmorsäulen des Löwenhofs ohne harte Schatten zu fotografieren, die ihre Form verzerren, meidet man die harte Mittagssonne. Das beste Licht findet sich an einem leicht bewölkten Tag. Das diffuse, weiche Licht modelliert die Säulen sanft und hebt die feinen Details der Kapitelle hervor, ohne störende Schlagschatten zu werfen. Eine weitere exzellente Möglichkeit ist die „Goldene Stunde“ kurz nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang. Das tiefstehende, warme Licht lässt den Marmor und die Stuckarbeiten in rötlichen Tönen erstrahlen und verleiht der Szene eine fast magische Qualität.
Diese bewusste Lichtführung war Teil des architektonischen Konzepts. Die kleinen Einheiten der Muqarnas-Gewölbe oder die glasierten Kacheln sind so gestaltet, dass sie das einfallende Licht auf unzählige Arten reflektieren und brechen. Dies erzeugt einen fantastischen, flimmernden Effekt, der den materiellen Raum aufzulösen und in reines Licht zu verwandeln scheint. Die Fotografie wird so zu einem Versuch, nicht nur ein Gebäude abzubilden, sondern eine inszenierte spirituelle Erfahrung einzufangen. Das „perfekte Foto“ ist also jenes, das die Absicht des Architekten, das Göttliche durch Licht erfahrbar zu machen, am besten wiedergibt.
Warum Sie die Alhambra-Tickets exakt 3 Monate im Voraus buchen müssen?
Die Notwendigkeit, Eintrittskarten für die Alhambra Monate im Voraus zu buchen, erscheint vielen Reisenden als moderne bürokratische Hürde. Tatsächlich ist sie die direkte Konsequenz aus dem Spannungsfeld zwischen dem Status als Weltkulturerbe und seiner enormen Popularität. Der entscheidende Faktor ist die Zugangsbeschränkung für die Nasridenpaläste, das unbestrittene Juwel der Anlage. Hier ist die Kapazität strikt limitiert, um die fragilen Strukturen zu schützen und den Besuchern ein halbwegs angemessenes Erlebnis zu ermöglichen.
Die magische Zahl, die alles bestimmt, ist die strikte Obergrenze für die Nasridenpaläste: Nur 300 Personen pro Halbstunde dürfen diesen Bereich betreten. Bei täglich Tausenden von potenziellen Besuchern führt diese künstliche Verknappung unweigerlich zu einer extrem hohen Nachfrage. Die Tickets werden auf der offiziellen Website des Patronato de la Alhambra in der Regel mit einer Vorlaufzeit von drei Monaten freigeschaltet und sind für die Hochsaison oft innerhalb von Stunden oder Tagen vergriffen. Diese Regelung ist somit weniger eine Schikane als vielmehr ein notwendiges Schutzinstrument.
Eintrittskarten für die komplette Alhambra (inklusive Nasridenpaläste) sind zwischen Ostern und Ende Oktober oftmals Tage oder Wochen im Voraus ausgebucht.
– Andalusien360.de, über die Buchungssituation
Diese strenge Regulierung hat eine unbeabsichtigte, aber positive Nebenwirkung: Sie zwingt den Besucher zu einer bewussten und langfristigen Planung. Der Besuch der Alhambra wird so von einem spontanen touristischen Akt zu einem gezielten, fast pilgerartigen Vorhaben. Man kann argumentieren, dass diese erzwungene Antizipation die Wertschätzung für den Ort erhöht und die Erfahrung intensiviert, wenn man nach monatelangem Warten endlich durch die Tore der Nasridenpaläste tritt. Es ist eine moderne Form der Verdienstlichkeit, die den Zugang zu einem der meistbesuchten Monumente der Welt regelt.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Wassersystem der Alhambra ist nicht nur Dekoration, sondern eine Demonstration ingenieurtechnischer Meisterschaft und eine Metapher für göttliche Gnade.
- Geometrische Muster sind keine Zierde, sondern angewandte Mathematik und Theologie, die das Konzept der Unendlichkeit und der Einheit Gottes (Tawhid) visualisieren.
- Die Alhambra ist kein blosses Bauwerk, sondern ein begehbarer philosophischer Text, dessen symbolische Sprache es zu entschlüsseln gilt, um sein wahres Erbe zu verstehen.
Warum 4000 spanische Wörter arabischen Ursprungs sind und was das über die Kultur verrät?
Das Erbe von Al-Andalus ist nicht auf Stein und Stuck beschränkt; es ist tief in der DNA der spanischen Sprache selbst verankert. Schätzungsweise 8% des spanischen Wortschatzes, rund 4000 Wörter, stammen aus dem Arabischen. Diese linguistische Hinterlassenschaft ist ein unbestreitbarer Beweis für die fast 800 Jahre andauernde Präsenz und den tiefgreifenden kulturellen Einfluss der islamischen Zivilisation auf der Iberischen Halbinsel. Wörter wie aceite (Öl, von az-zayt), azúcar (Zucker, von as-sukkar) oder alcalde (Bürgermeister, von al-qāḍī, der Richter) sind heute alltäglicher Bestandteil der Sprache.
Besonders aufschlussreich ist die Verteilung dieser Lehnwörter. Sie konzentrieren sich auf Bereiche, in denen die Kultur von Al-Andalus technologisch und administrativ führend war: Landwirtschaft (Bewässerungstechniken, neue Anbaupflanzen), Wissenschaft (Mathematik, Astronomie, Medizin), Militärwesen, Verwaltung und Architektur. Die Sprache fungiert hier als archäologisches Archiv, das die Wissensdomänen offenlegt, in denen der kulturelle Transfer am stärksten war. Während die christlichen Königreiche im Norden in vielen dieser Bereiche noch im „dunklen“ Mittelalter verharrten, erlebte Al-Andalus eine wissenschaftliche und kulturelle Blütezeit.
Für den Besucher der Alhambra wird dieses sprachliche Erbe vor Ort lebendig. Viele der architektonischen Begriffe, die zur Beschreibung des Ortes verwendet werden, sind selbst arabischen Ursprungs. Ein Spaziergang durch die Anlage wird so zu einer Lektion in historischer Etymologie, bei der man die Verbindung zwischen Objekt und Wort direkt nachvollziehen kann. Sie werden zum linguistischen Archäologen, der die Schichten der Geschichte in der Sprache der Gegenwart freilegt.
Ihr Plan zur Entdeckung arabischer Wörter vor Ort
- Acequia: Suchen Sie nach den offenen Wasserkanälen, die die Gärten durchziehen (von as-sāqiya, der Wasserkanal).
- Alcázar/Alcazaba: Identifizieren Sie die Festungsbereiche mit ihren massiven Mauern (von al-qasr, die Festung).
- Azulejo: Betrachten Sie die glasierten Kacheln genau und erkennen Sie die Muster (von az-zulayj, polierter Stein).
- Alberca: Finden Sie die grossen Wasserbecken, wie den im Myrtenhof (von al-birka, der Teich).
- Alcoba: Stellen Sie sich die privaten Schlafgemächer in den Palästen vor (von al-qubba, der kuppelartige Raum).
Alhambra & Sagrada Família: Wie Sie Tickets für ausgebuchte Attraktionen doch noch ergattern?
Für die meistbesuchten Monumente Spaniens, wie die Alhambra oder die Sagrada Família in Barcelona, scheint die offizielle Website oft eine Sackgasse zu sein: „ausgebucht“. Doch dies bedeutet nicht zwangsläufig das Ende Ihrer Reisepläne. Es erfordert lediglich ein strategisches Vorgehen und das Wissen um die verschiedenen Vertriebskanäle, die parallel zum offiziellen Verkauf existieren. Der Schlüssel liegt im Verständnis, dass verschiedene Akteure über eigene, oft nicht öffentlich sichtbare Kontingente verfügen.
Die erste Strategie ist die Beobachtung des offiziellen Portals. Stornierte Tickets oder nicht abgerufene Reservierungen werden oft zu bestimmten Zeiten wieder in den Verkauf gegeben, typischerweise um Mitternacht oder sehr früh am Morgen. Dies erfordert Geduld und Hartnäckigkeit, kann aber zum Erfolg führen. Eine weitaus zuverlässigere, wenn auch teurere Methode, ist der Weg über Drittanbieter. Grosse Online-Plattformen wie GetYourGuide oder Tiqets kaufen grosse Ticketkontingente im Voraus und verkaufen sie oft als Teil einer Führung. Auch wenn Sie nicht an der Führung selbst interessiert sind, ist dies eine legitime Möglichkeit, an ein Ticket zu kommen.
Für Kurzentschlossene oder Reisende mit höherem Budget gibt es weitere Optionen. Lokale Reiseführer und Agenturen in Granada haben oft kleine, exklusive Kontingente für private Touren. Eine Anfrage per E-Mail oder ein Anruf kann hier Türen öffnen, die online verschlossen bleiben. Schliesslich bieten Premium-Kreditkarten mit Concierge-Service (wie American Express Platinum) manchmal Zugang zu speziellen Veranstalter-Kontingenten, die für die Allgemeinheit nicht verfügbar sind. Diese Strategien verwandeln die Ticketjagd von einem Glücksspiel in eine lösbare Aufgabe, bei der die Wahl der Methode von Ihrem Budget, Ihrer Flexibilität und Ihrer Risikobereitschaft abhängt.
Die erfolgreiche Beschaffung eines Tickets ist der erste Schritt. Der nächste und entscheidende ist, Ihren Besuch so vorzubereiten, dass Sie die Alhambra nicht nur als Kulisse, sondern als tiefgründiges kulturelles Zeugnis erleben. Beginnen Sie jetzt damit, ihre Sprache zu lernen, um bei Ihrem Besuch mehr als nur schöne Fotos zu machen.
Häufig gestellte Fragen zum Erbe von Al-Andalus
Wann werden stornierte Tickets wieder freigegeben?
Meist um Mitternacht oder früh morgens zwischen 7-8 Uhr auf der offiziellen Patronato-Website.
Gibt es Kontingente für Reiseveranstalter?
Ja, deutsche Anbieter wie Studiosus oder lokale Führer haben oft eigene Kontingente, die als Führung gebucht werden können.
Funktioniert der Concierge-Service von Premium-Kreditkarten?
Amex Platinum und ähnliche Services haben oft Zugang zu speziellen Kontingenten, allerdings zu höheren Preisen.