Veröffentlicht am März 11, 2024

Die Wahl des richtigen Zuges in Spanien geht weit über den reinen Preisvergleich hinaus; es ist eine strategische Abwägung von Kosten, Komfort und Zeit.

  • AVE bietet maximalen Komfort und Frequenz, erfordert aber Zeit für Sicherheitschecks und ist bei Spontanbuchung teuer.
  • Ouigo und Avlo locken mit Tiefstpreisen, deren operative Logik jedoch unvorbereitetes oder grosses Gepäck finanziell bestraft.

Empfehlung: Buchen Sie 60-90 Tage im Voraus und planen Sie Ihr Gepäck exakt, um die Vorteile des Systems voll auszuschöpfen und die Kostenfallen der Low-Cost-Anbieter zu umgehen.

Die Entscheidung für eine Zugreise durch Spanien scheint auf den ersten Blick einfach. Ein schneller Blick auf eine Buchungsplattform zeigt für dieselbe Strecke, etwa von Madrid nach Barcelona, verlockend günstige Tickets von Avlo oder Ouigo für unter 30 €, während der bekannte AVE oft das Doppelte oder Dreifache kostet. Die instinktive Reaktion vieler Reisender ist, zur günstigsten Option zu greifen. Doch dieser simple Preisvergleich ist trügerisch und führt oft zu unerwarteten Zusatzkosten und logistischen Problemen am Bahnhof. Die gängigen Ratschläge wie „früh buchen“ kratzen nur an der Oberfläche eines komplexen Systems.

Die Wahrheit ist: Die spanischen Hochgeschwindigkeitszüge sind keine blossen Transportmittel, sondern unterschiedliche operative Systeme mit jeweils eigener Logik. Die Wahl zwischen AVE, Avlo und Ouigo ist keine reine Preisfrage, sondern eine strategische Entscheidung. Sie erfordert das Verständnis für die jeweiligen Geschäftsmodelle, von der Gepäckpolitik über die Sicherheitsabläufe bis hin zur dynamischen Preisgestaltung. Jeder Anbieter optimiert für andere Kennzahlen: AVE für Komfort und Frequenz, Ouigo und Avlo für maximale Auslastung zu minimalen Kosten.

Doch die eigentliche Intelligenz des spanischen Schienennetzes liegt tiefer. Sie zeigt sich in der nahtlosen Integration von Fernverkehr und lokalen Anschlüssen, in der Existenz malerischer Alternativrouten für entschleunigtes Reisen und in der überwältigenden ökologischen Überlegenheit gegenüber dem Inlandsflug. Dieser Artikel entschlüsselt die operative Logik hinter den spanischen Zügen. Er geht über den simplen Preisvergleich hinaus und gibt Ihnen die analytischen Werkzeuge an die Hand, um für jede Reisesituation die technisch und finanziell beste Entscheidung zu treffen und Spanien wie ein Experte zu durchqueren.

Um Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten, analysiert dieser Leitfaden die entscheidenden technischen und praktischen Unterschiede der spanischen Bahnsysteme. Der folgende Überblick führt Sie durch die wichtigsten Aspekte, von versteckten Kosten bis hin zu strategischen Vorteilen.

Warum Sie bei Ouigo für den Koffer extra zahlen müssen und wie Sie das vermeiden?

Die Gepäckgebühren bei Low-Cost-Anbietern wie Ouigo sind kein Fehler im System, sondern dessen Kernbestandteil. Die operative Logik dieser Fluggesellschaften-auf-Schienen basiert auf einem „No-Frills“-Modell: Der Basispreis deckt nur den Sitzplatz ab. Alles Weitere, insbesondere der Platzbedarf für Gepäck, wird als Zusatzleistung verkauft. Das Standardticket bei Ouigo beinhaltet lediglich ein Handgepäckstück (max. 36x27x15 cm) und einen kleinen Kabinenkoffer (max. 55x35x25 cm). Ein grösserer Koffer gilt als Zusatzgepäck und muss kostenpflichtig hinzugebucht werden.

Das Vermeiden dieser Kostenfalle erfordert strategische Planung. Der Schlüssel liegt in der frühzeitigen Online-Buchung des Gepäcks. Während der Online-Buchung kostet ein zusätzliches Gepäckstück meist nur 5 €. Wartet man hingegen bis zum Bahnhof, um es am Schalter oder kurz vor dem Boarding nachzubuchen, steigt der Preis auf 20 € oder mehr. Dieser Preisaufschlag ist beabsichtigt und bestraft mangelnde Planung. Laut den offiziellen Ouigo-Tarifen kann die Ersparnis bei der Gepäckbuchung im Voraus bis zu 75 % betragen. Die effizienteste Methode ist daher, bereits bei der Ticketbuchung das genaue Gepäckvolumen zu kennen und alle notwendigen Optionen direkt online hinzuzufügen. Wer leicht reist, profitiert am meisten vom Basispreis.

Letztendlich ist die Gepäckgebühr bei Ouigo ein kalkulierbarer Posten. Wer vorausschauend plant, kann die günstigen Ticketpreise voll ausnutzen, ohne am Bahnhof von hohen Nachzahlungen überrascht zu werden. Wer hingegen spontan mit grossem Gepäck reist, für den ist ein AVE-Ticket oft von vornherein die wirtschaftlichere Wahl.

Wie viel Zeit Sie für den Gepäckscan vor Abfahrt des AVE einplanen müssen?

Im Gegensatz zu den meisten europäischen Bahnsystemen erfordert die Reise mit den spanischen Hochgeschwindigkeitszügen AVE (und auch Avlo) einen flughafenähnlichen Sicherheitscheck vor dem Betreten des Bahnsteigs. Dieser Prozess ist eine direkte Folge der Sicherheitsmassnahmen, die nach den Madrider Zuganschlägen von 2004 eingeführt wurden. Für Reisende bedeutet dies, dass ein einfaches Ankommen wenige Minuten vor Abfahrt nicht ausreicht. Es muss ein fester Zeitpuffer für die Kontrolle eingeplant werden.

Die Kontrolle selbst ist in der Regel schnell und unkompliziert: Das gesamte Gepäck muss durch einen Röntgenscanner, während die Passagiere durch einen Metalldetektor gehen. Die Flüssigkeitsbeschränkungen des Flugverkehrs gibt es hier nicht. Dennoch kann es zu Stosszeiten, insbesondere an grossen Bahnhöfen wie Madrid Atocha oder Barcelona Sants, zu Warteschlangen kommen. Als Faustregel gilt, mindestens 30 Minuten vor der planmässigen Abfahrt am Zugang zum Bahnsteig (Zona de Embarque) zu sein. An sehr verkehrsreichen Tagen oder wenn man unsicher ist, sind 40 Minuten ein sicherer Puffer.

Reisende passieren eine Sicherheitskontrolle an einem spanischen Bahnhof

Wie die Abbildung zeigt, sind die Kontrollen modern und effizient gestaltet. Der Prozess ist Routine, aber das Boarding schliesst unweigerlich zwei Minuten vor Abfahrt des Zuges. Wer die Sicherheitskontrolle zu spät erreicht, verpasst seinen Zug, auch wenn dieser noch am Gleis steht. Die Einhaltung des Zeitpuffers ist daher kein Vorschlag, sondern eine technische Notwendigkeit für eine stressfreie Reise mit dem AVE.

Ihr Fahrplan für einen reibungslosen AVE-Einstieg

  1. Planen Sie, mindestens 30 Minuten vor Abfahrt am Bahnhof zu sein (in Madrid Atocha eher 30-40 Minuten).
  2. Suchen Sie nach den Schildern „Zona de Embarque“ oder „Control de Acceso“, um den Sicherheitsbereich zu finden.
  3. Halten Sie Ihr Ticket (digital oder ausgedruckt) bereit, um es am Eingangsgate zu scannen.
  4. Legen Sie all Ihr Gepäck, einschliesslich Handtaschen und Rucksäcke, auf das Band des Röntgenscanners.
  5. Begeben Sie sich nach der Kontrolle umgehend zum angegebenen Gleis („Vía“ oder „Andén“).
  6. Beachten Sie, dass das Boarding exakt 2 Minuten vor der Abfahrtszeit schliesst – Pünktlichkeit ist entscheidend!

Das Verständnis dieses Prozesses verwandelt eine potenzielle Stressquelle in einen kalkulierbaren Teil der Reiseplanung und unterstreicht den Unterschied zur Spontaneität, die man von anderen europäischen Zügen gewohnt ist.

Der Fehler, Tickets erst am Bahnhof zu kaufen (und warum sie dann doppelt so teuer sind)

Einer der kostspieligsten Fehler bei der Nutzung spanischer Hochgeschwindigkeitszüge ist der spontane Ticketkauf am Reisetag direkt am Bahnhof. Das Preissystem von Renfe (für AVE und Avlo) und Ouigo folgt einem dynamischen Preissystem, das dem von Fluggesellschaften ähnelt. Die Preise sind nicht fix, sondern basieren auf der Auslastung des Zuges und dem Buchungszeitpunkt. Je früher gebucht wird und je geringer die Nachfrage, desto niedriger der Preis. Je näher das Reisedatum rückt, desto höher steigt der Preis, insbesondere für die letzten verfügbaren Plätze.

Diese Preisstrategie, auch als „Yield Management“ bekannt, zielt darauf ab, die Einnahmen pro Zugfahrt zu maximieren. Für den Reisenden bedeutet dies, dass Spontaneität bestraft und vorausschauende Planung belohnt wird. Eine Fahrt von Madrid nach Barcelona, die 60-90 Tage im Voraus für 29 € erhältlich ist, kann am Reisetag problemlos 100 € oder mehr kosten. Aktuelle Buchungsdaten von Omio zeigen auf dieser Strecke Preissteigerungen von 29€ auf 62€, was einem Anstieg von über 114 % entspricht, wenn man am selben Tag bucht. Der Kauf am Bahnhof ist somit fast immer die teuerste aller Optionen.

Fallstudie: Preisentwicklung auf der Strecke Madrid-Barcelona

Eine Analyse der Preisentwicklung auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid-Barcelona verdeutlicht die enorme Spanne. Bei einer Buchung 60-90 Tage im Voraus sind Avlo-Tickets bereits ab 7 € und AVE-Tickets ab etwa 25 € zu finden. Nähert sich der Reisetag, steigen die Preise exponentiell an. In der letzten Woche vor der Reise sind Preise unter 70 € eine Seltenheit, und am Reisetag selbst können die Kosten für ein AVE-Ticket auf über 100 € klettern. Diese Daten belegen, dass der optimale Buchungszeitraum für die besten Preise konsequent zwei bis drei Monate vor der geplanten Reise liegt.

Die einzige Ausnahme, bei der ein Kauf am Bahnhof sinnvoll sein könnte, ist die Nutzung eines Bahnpasses wie Interrail, der eine separate Sitzplatzreservierung erfordert. Für alle anderen Reisenden ist die Regel eindeutig: Buchen Sie Ihr Ticket online und so weit im Voraus wie möglich.

Welche Zugstrecken sind eine Sehenswürdigkeit für sich und lohnen die langsame Fahrt?

Während das Hochgeschwindigkeitsnetz Spaniens für seine Effizienz gefeiert wird, verbirgt sich abseits der Hauptachsen ein zweites, oft übersehenes Schienennetz, das ein völlig anderes Reiseerlebnis bietet: die langsamen, aber spektakulären Panoramarouten. Diese Strecken sind kein schnelles Mittel zum Zweck, sondern das eigentliche Ziel der Reise. Sie führen durch Landschaften, die vom AVE ungesehen bleiben, und verbinden Reisende mit einer authentischeren, entschleunigten Seite Spaniens. Anstatt Stunden zu sparen, gewinnt man hier unbezahlbare Eindrücke.

Besonders hervorzuheben sind die ehemaligen FEVE-Schmalspurbahnen, die sich entlang der zerklüfteten und grünen Nordküste von Asturien über Kantabrien bis ins Baskenland schlängeln. Diese Züge fahren gemächlich durch Fischerdörfer, vorbei an einsamen Stränden und durch atemberaubende Berglandschaften. Aber auch historische und thematische Züge bieten ein einzigartiges Erlebnis:

  • FEVE-Schmalspurbahn an der Nordküste: Eine Reise entlang der „Costa Verde“ mit spektakulären Ausblicken auf den Atlantik und die Picos de Europa.
  • Tren de la Fresa (Madrid-Aranjuez): Ein historischer Dampfzug, der die Reise zum königlichen Palast von Aranjuez mit kostümiertem Personal und Erdbeerverkostungen zelebriert.
  • Tren de Cervantes (Madrid-Alcalá de Henares): Eine literarische Zeitreise in die Geburtsstadt von Cervantes, begleitet von Schauspielern, die Figuren aus „Don Quijote“ darstellen.
  • Media Distancia durch Andalusien: Die Fahrt von Córdoba oder Sevilla in die „Pueblos Blancos“ (weissen Dörfer) bietet Einblicke in das ländliche Andalusien, weit weg von den Touristenströmen.
  • Regional-Express durch die Pyrenäen: Linien wie die von Lleida nach La Pobla de Segur durchqueren dramatische Schluchten und bieten atemberaubende Bergpanoramen.

Die ehemaligen FEVE-Strecken in Nordspanien sind ein echter Geheimtipp für langsame, landschaftlich reizvolle Reisen abseits der Hochgeschwindigkeitsnetze.

– Seat61.com, The Man in Seat 61 – Spain Train Travel Guide

Diese langsamen Routen sind nicht nur eine Alternative, sondern ein Gegenentwurf zum Hochgeschwindigkeits-Kultur-Hopping. Sie eignen sich perfekt für Reisende, die den Weg als integralen Bestandteil ihres Spanien-Erlebnisses sehen und das Land in seinem eigenen Rhythmus entdecken möchten.

Wie Sie mit einem Ticket bis in kleine Orte kommen (Renfe + Bus Anbindung)?

Eine der grössten Stärken des spanischen Schienennetzes, die oft übersehen wird, ist seine intelligente Integration mit anderen Verkehrsmitteln. Mit einem einzigen Renfe-Ticket ist es möglich, nicht nur die grossen Metropolen zu erreichen, sondern auch nahtlos in kleinere Städte und ländliche Regionen weiterzureisen, die über keinen eigenen Bahnhof verfügen. Dies wird durch zwei Schlüsselmechanismen ermöglicht: das „Combinado Cercanías“ und die koordinierten Bus-Anschlüsse.

Das „Combinado Cercanías“ ist ein unschätzbarer Vorteil, der in jedem AVE- oder Langstreckenticket von Renfe enthalten ist. Er berechtigt zur kostenlosen Nutzung des S-Bahn-Netzes (Cercanías) am Abfahrts- und Ankunftsort. Auf dem Ticket befindet sich ein Code, der an den Automaten eingegeben wird, um ein gültiges S-Bahn-Ticket zu erhalten. Dies ermöglicht es, kostenlos vom Stadtzentrum zum Hauptbahnhof oder vom Ankunftsbahnhof zum endgültigen Ziel in einem Vorort zu gelangen. Gerade in Metropolen wie Madrid oder Barcelona bedeutet dies eine Ersparnis von bis zu 5 € pro Fahrt mit dem Combinado Cercanías-Vorteil und eine enorme logistische Vereinfachung.

Für Ziele, die gänzlich ausserhalb des Schienennetzes liegen, bietet Renfe in Kooperation mit Busunternehmen kombinierte Zug-Bus-Tickets an. Diese können direkt auf der Renfe-Website gebucht werden. Der gesamte Reiseplan wird auf einem einzigen Ticket abgebildet, und die Anschlüsse sind garantiert. Das bedeutet, der Bus wartet auf die Ankunft des Zuges, wodurch das Risiko eines verpassten Anschlusses eliminiert wird. Dieses System ist ideal für Reisen zu Zielen wie der Costa de la Luz in Andalusien oder in abgelegene Bergdörfer.

Praxisbeispiel: Von Barcelona an die Costa de la Luz

Ein Reisender möchte von Barcelona nach Conil de la Frontera an der Costa de la Luz. Auf der Renfe-Website bucht er ein einziges Ticket. Dieses beinhaltet die AVE-Fahrt von Barcelona nach Sevilla oder Jerez de la Frontera und anschliessend eine koordinierte Busfahrt direkt vom Bahnhof zum Zielort Conil. Der Busfahrplan ist auf die Ankunftszeit des Zuges abgestimmt, was einen reibungslosen Übergang gewährleistet. Dies erspart die komplizierte und unsichere separate Buchung verschiedener Verkehrsmittel und garantiert eine durchgehende Reisekette.

Durch die Nutzung dieser integrierten Lösungen wird der Zug in Spanien von einem reinen Stadt-zu-Stadt-Verkehrsmittel zu einem leistungsstarken Werkzeug für die Erkundung des ganzen Landes, das weit über die Reichweite von Billigfliegern hinausgeht.

Mietwagen oder Hochgeschwindigkeitszug AVE: Was lohnt sich für Kultur-Hopping mehr?

Die Frage, ob ein Mietwagen oder der Zug die bessere Wahl für eine Kultur-Rundreise durch Spanien ist, hängt von der geplanten Route ab. Für das „Kultur-Hopping“ zwischen den grossen andalusischen Städten wie Madrid, Córdoba, Sevilla oder auch Valencia und Barcelona ist der Hochgeschwindigkeitszug (AVE/Avlo) dem Mietwagen technisch, finanziell und logistisch überlegen. Während der Mietwagen Flexibilität suggeriert, erweist er sich in diesem Szenario als teurer und ineffizienter.

Die Nachteile des Autos im städtischen Raum sind erheblich: hohe Parkgebühren (15-25 € pro Tag in Stadtzentren), Mautgebühren auf Autobahnen, steigende Benzinpreise und der Stress der Parkplatzsuche in engen, historischen Altstädten. Der Zug hingegen liefert Reisende direkt und entspannt in die Stadtzentren. Die Zeit im Zug kann produktiv für Arbeit oder Reiseplanung genutzt werden, anstatt sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Zudem ist der im AVE-Ticket inkludierte „Combinado Cercanías“-Vorteil ideal, um sich vor Ort im Nahverkehrsnetz kostenlos zu bewegen.

Geschäftsreisender arbeitet produktiv am Laptop im komfortablen Zugabteil

Ein direkter Kostenvergleich für eine typische Andalusien-Rundreise (z.B. Madrid – Córdoba – Sevilla – Madrid) zeigt die finanzielle Überlegenheit des Zuges bei frühzeitiger Buchung. Die Gesamtkosten für einen Mietwagen summieren sich schnell auf das Doppelte der Zugkosten.

Die folgende Tabelle, basierend auf einer Analyse von Greenpeace, schlüsselt die Kosten für eine fünftägige Tour auf. Sie verdeutlicht, dass die reinen Zugtickets bei Vorausbuchung deutlich unter den Gesamtkosten für einen Mietwagen liegen, wie die vergleichende Analyse von Greenpeace aufzeigt.

Kostenvergleich Andalusien-Rundreise: Zug vs. Mietwagen
Kostenposition AVE/Avlo Zug Mietwagen
Madrid-Córdoba-Sevilla-Madrid 150-200€ (Frühbucher)
Mietwagen (5 Tage) 200€
Benzin (800 km) 100€
Mautgebühren 40€
Parkgebühren Innenstädte 75€ (15€/Tag)
Lokale S-Bahn (Cercanías) 0€ (inklusive)
Gesamt 150-200€ 415€

Der Mietwagen behält seine Berechtigung für die Erkundung ländlicher Gebiete, abgelegener Strände oder der „Pueblos Blancos“, wo die Zuganbindung fehlt. Für eine Reiseroute, die sich auf die grossen Kulturmetropolen konzentriert, ist der Hochgeschwindigkeitszug jedoch die strategisch klügere Wahl.

Der Fehler, mit dem Golfbag in einen Standard-Shuttle steigen zu wollen

Ein häufiger Fehler, der Reisende mit sperrigem Gepäck wie Golfausrüstung, Surfbrettern oder grossen Musikinstrumenten teuer zu stehen kommen kann, ist die Annahme, dieses als normales Gepäck mitnehmen zu können. Die spanischen Zugbetreiber haben klare, aber unterschiedliche Regeln für Sondergepäck. Diese zu ignorieren, führt unweigerlich zu Problemen am Bahnhof, von hohen Nachgebühren bis hin zur Verweigerung des Transports. Gleichzeitig ist die Logistik nach der Ankunft, etwa der Transport vom Bahnhof zum Hotel, eine weitere Hürde, da ein Golfbag nicht in jedes Standard-Taxi oder jeden Shuttle passt.

Die Bestimmungen variieren je nach Anbieter. Während der AVE relativ grosszügig ist, erfordern die Low-Cost-Anbieter Avlo und Ouigo eine zwingende Voranmeldung und Gebühr für Sondergepäck. Eine spontane Mitnahme ist meist ausgeschlossen oder extrem teuer. Um diese Probleme zu umgehen, gibt es mehrere strategische Ansätze:

  • AVE: Musikinstrumente bis zu einer Grösse von 30x120x38 cm können als Handgepäck mitgeführt werden. Grössere Sportausrüstung muss als Sondergepäck aufgegeben werden, oft gegen eine Gebühr.
  • Avlo: Sondergepäck muss zwingend bei der Online-Buchung angemeldet werden. Die Zusatzgebühr beträgt in der Regel maximal 10 €.
  • Ouigo: Sportausrüstung wird als Zusatzgepäckstück behandelt und kostet bei Vorbuchung online nur 5 €.
  • Alternative 1 für den Transfer: Bestellen Sie am Ankunftsbahnhof gezielt einen Grossraum-Fahrdienst wie Uber Van oder Cabify XL, um den Weitertransport zum Hotel sicherzustellen.
  • Alternative 2 für die Reise: Nutzen Sie einen Gepäckversand-Service wie „Correos Paq Maleta“. Der spanische Postdienst holt das Gepäck im Hotel ab und liefert es direkt ins nächste Hotel. Dies kostet ab 25 € und ermöglicht eine völlig entspannte Reise ohne Gepäcksorgen.

Ein deutscher Reisender berichtet: ‚Ich hatte mein Golfbag dabei und wusste nicht, dass ich es hätte anmelden müssen. Am Bahnhof musste ich 30€ Nachgebühr zahlen. Beim nächsten Mal habe ich Correos genutzt – das Bag war vor mir im Hotel und ich konnte entspannt reisen.‘

– Anonymer Beitrag, ICE-Treff Forum

Die klügste Strategie für Reisende mit Sondergepäck ist es, sich vor der Buchung genau über die Bestimmungen des jeweiligen Zugbetreibers zu informieren oder den Transport von vornherein auszulagern, um die Reise maximal zu vereinfachen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Strategische Vorausbuchung (60-90 Tage) ist der wichtigste Hebel zur Kostenoptimierung und schlägt jede Last-Minute-Entscheidung.
  • Gepäck ist bei Low-Cost-Anbietern eine kalkulierbare Zusatzleistung, keine überraschende Gebühr. Die Planung im Voraus ist entscheidend.
  • Für das Kultur-Hopping zwischen den grossen Städten ist der Zug dem Auto in Bezug auf Kosten, Zeit und ökologischen Fussabdruck überlegen.

Kompensieren oder Vermeiden: Die überlegene Klimabilanz der Schiene

Die Debatte um die CO2-Kompensation von Flügen, etwa für eine Reise nach Mallorca, lenkt oft von einer effektiveren Klimalösung ab: der Vermeidung. Gerade für Reisen innerhalb des spanischen Festlandes stellt der Hochgeschwindigkeitszug nicht nur eine Alternative, sondern eine technologisch und ökologisch überlegene Lösung dar. Die CO2-Emissionen einer Zugfahrt sind im Vergleich zum Flugzeug dramatisch geringer. Die Entscheidung für die Schiene ist somit der wirksamste Beitrag zum Klimaschutz, den ein Reisender leisten kann.

Konkrete Zahlen belegen dies eindrucksvoll. Eine von Greenpeace durchgeführte Studie zur Strecke Madrid-Barcelona ergab, dass ein Flug pro Passagier rund 305 kg CO2 emittiert. Die gleiche Reise mit dem Hochgeschwindigkeitszug verursacht lediglich 53 kg CO2. Das entspricht 82 % weniger Emissionen als bei einem Flug laut einer Greenpeace-Studie aus dem Jahr 2023. Diese massive Reduktion ist kein marginaler Vorteil, sondern ein entscheidender Faktor für nachhaltiges Reisen.

Spaniens Investition in eines der längsten Hochgeschwindigkeitsnetze der Welt mit fast 4.000 Kilometern ist ein Paradebeispiel für eine gelungene Verkehrswende. Auf der einst meistgeflogenen Strecke Europas zwischen Madrid und Barcelona ist der Anteil des Flugverkehrs auf nur noch 15 % gesunken, seit der AVE die Städte in nur 2,5 Stunden verbindet. Dies führt zu einer jährlichen Einsparung von über 100.000 Tonnen CO2 allein auf dieser Route.

Mit einer Klimabilanz von 2.300 kg CO2 käme die Bahn einmal um die Welt. Mit dem Flugzeug kommen Sie mit derselben Emission nur von Rom nach New York.

– Vattenfall Energie, Energiesparend reisen: Zug, Auto & Flugzeug im Vergleich

Die Wahl des Verkehrsmittels ist somit die fundamentalste Klimaentscheidung auf Reisen. Das Verständnis der überwältigenden ökologischen Vorteile des Zuges ist entscheidend für eine verantwortungsvolle Reiseplanung.

Anstatt also die Emissionen eines Kurzstreckenflugs zu kompensieren, bietet die Wahl des Zuges eine direkte und weitaus wirkungsvollere Methode, den eigenen ökologischen Fussabdruck zu minimieren. Nutzen Sie dieses Wissen, um Ihre nächste Spanienreise nicht nur günstiger und schneller, sondern auch nachhaltiger und intelligenter zu planen.

Geschrieben von Torsten Klein, Ehemaliger Produktmanager eines großen deutschen Reiseveranstalters und Experte für touristische Logistik. Spezialisiert auf Transportmittel, Mietwagen-Hacks und Budget-Optimierung.