Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Die verlockende Pauschale des „All-Inclusive“-Urlaubs ist oft eine Meisterleistung im Marketing, die bewusst Grauzonen nutzt, um Zusatzkosten zu generieren.

  • Die entscheidende Wahrheit über Inklusivleistungen steht nicht in der bunten Hotelwerbung, sondern ausschliesslich in der kleingedruckten „Leistungsbeschreibung“ des Reiseveranstalters.
  • Begriffe wie „lokale Getränke“ oder „Wellnessbereich“ sind rechtlich dehnbar und bedeuten selten das, was Urlauber erwarten.

Empfehlung: Werden Sie zum „Vertrags-Detektiv“. Prüfen Sie vor der Buchung gezielt die Leistungsbeschreibung auf Schlüsselwörter und verlangen Sie bei Unklarheiten eine schriftliche Bestätigung, um Budget-Sicherheit zu erlangen.

Das türkisblaue Armband am Handgelenk ist mehr als nur ein Stück Plastik; es ist das Symbol für sorglosen Urlaub. Keine Gedanken an Rechnungen, keine Sorgen um das Budget – alles ist inklusive. So zumindest lautet das Versprechen von All-Inclusive-Reisen, das jedes Jahr Millionen deutsche Urlauber in die Ferienorte dieser Welt lockt. Doch die Realität sieht oft anders aus. Plötzlich kostet der Wein zum Abendessen extra, der Zugang zur Sauna ist gebührenpflichtig und für die Liege am Strand wird eine Tagespauschale fällig. Die Enttäuschung ist gross und das Urlaubsbudget gerät schnell ins Wanken.

Viele Ratgeber beschränken sich auf die offensichtlichen Posten wie Ausflüge oder Trinkgelder. Doch die wahren Kostenfallen sind subtiler und tief im Marketing-Jargon der Reiseveranstalter verankert. Sie spielen mit Erwartungen und nutzen unklare Formulierungen, um Leistungen zu bewerben, die am Ende doch extra kosten. Das Problem ist also nicht unbedingt der Aufpreis an sich, sondern die mangelnde Transparenz, die den Traum vom Rundum-sorglos-Paket platzen lässt. Wer sich nicht im Vorfeld wappnet, zahlt am Ende doppelt: mit Geld und mit enttäuschten Erwartungen.

Dieser Artikel bricht mit der einfachen Auflistung von Extrakosten. Er versetzt Sie in die Lage eines „Vertrags-Detektivs“. Statt nur die Fallen zu benennen, lernen Sie hier, die verräterischen Formulierungen in Hotelbeschreibungen zu entziffern und die entscheidenden Fragen zu stellen, bevor Sie buchen. Wir tauchen tief in die Leistungsbeschreibungen ein, entlarven die Tricks der Branche und geben Ihnen konkrete Werkzeuge an die Hand, um die volle Kontrolle über Ihr Urlaubsbudget zu behalten. Denn echte Entspannung beginnt nicht am Pool, sondern mit der Gewissheit, dass „All Inclusive“ auch wirklich alles inkludiert, was Ihnen versprochen wurde.

Um Ihnen eine klare Struktur für die Entlarvung versteckter Kosten zu geben, haben wir die häufigsten und teuersten Fallen in diesem Artikel aufgedeckt. Das folgende Inhaltsverzeichnis führt Sie durch jede einzelne Kostenfalle und zeigt Ihnen, wie Sie sich davor schützen können.

Warum bei „Halbpension“ oft Wasser und Wein extra bezahlt werden müssen?

Die Buchungsoption „Halbpension“ klingt für viele Urlauber nach einem guten Kompromiss: Frühstück und Abendessen sind im Preis inbegriffen, tagsüber bleibt man flexibel. Doch genau hier lauert eine der häufigsten und ärgerlichsten Kostenfallen. Denn Halbpension bedeutet in 99 % der Fälle: nur die Speisen vom Buffet oder Menü sind inkludiert. Sämtliche Getränke, oft sogar eine einfache Flasche Wasser, müssen separat bezahlt werden.

Diese Praxis führt regelmässig zu bösen Überraschungen am Ende des Urlaubs. Die Getränkepreise in Hotels sind oft deutlich höher als in lokalen Supermärkten oder Restaurants, was die Urlaubskasse empfindlich belasten kann. Ein Glas Wein für 8 Euro, ein Bier für 6 Euro und Wasser für 4 Euro – bei einer Familie summiert sich das über zwei Wochen schnell auf mehrere Hundert Euro. Die Hotels kalkulieren fest mit diesen Zusatzeinnahmen.

Hotelrestaurant zeigt versteckte Getränkekosten bei Halbpension

Wie die Szene andeutet, ist die Überraschung beim Blick auf die Rechnung oft gross. Der Grund ist einfach: Der Begriff „Halbpension“ ist klar definiert und schliesst Getränke, sofern nicht explizit als „Halbpension Plus“ oder mit dem Zusatz „inkl. Tischgetränke“ beworben, konsequent aus. Sich auf Kulanz zu verlassen, ist aussichtslos. Der einzige Schutz ist, vorab die Leistungsbeschreibung des Veranstalters Wort für Wort zu prüfen oder bei All-Inclusive-Angeboten sicherzustellen, dass Getränke ganztägig inkludiert sind.

Der Fehler zu glauben, dass die Liegen am öffentlichen Strand zum Hotel gehören

Ein Hotel wirbt mit „direkter Strandlage“ und zeigt Bilder von Gästen, die entspannt auf Sonnenliegen am Meer relaxen. Die logische Annahme für viele Urlauber: Diese Liegen gehören zum Service des Hotels und sind kostenfrei. Ein teurer Irrtum. In den meisten touristischen Hochburgen, insbesondere in Europa, sind die Strände öffentlich. Die Liegen und Schirme werden von externen Anbietern betrieben, die saftige Tagesmieten verlangen.

Die Kosten hierfür können das Urlaubsbudget erheblich sprengen. Wie die folgende Übersicht zeigt, sind Preise von 20 bis 35 Euro pro Tag für zwei Liegen und einen Schirm keine Seltenheit. Hotels in direkter Strandlage haben oft zwar einen eigenen Poolbereich mit kostenlosen Liegen, doch der beworbene Strandabschnitt selbst ist eine externe Dienstleistung.

Die Preise an beliebten Urlaubszielen deutscher Touristen zeigen deutlich, welche Zusatzkosten hier lauern können. Laut einer Analyse aktueller Strandliegenpreise müssen Urlauber tief in die Tasche greifen.

Aktuelle Liegenpreise an beliebten deutschen Urlaubszielen 2024
Urlaubsziel 2 Liegen + Schirm/Tag Hochsaison-Aufschlag
Playa de Palma (Mallorca) 25-35 € +40%
Kleopatra-Strand (Alanya) 15-20 € +25%
Rethymno (Kreta) 20-30 € +35%
Side (Türkei) 10-15 € +20%

Die einzige Ausnahme sind Hotels mit einem echten, abgetrennten Privatstrand. Diese sind jedoch selten und meist im Luxussegment zu finden. Ein verräterisches Zeichen in der Hotelbeschreibung ist die Formulierung „Liegen am Strand gegen Gebühr“. Fehlt dieser Hinweis, hilft nur die Recherche.

Fallstudie: Google Maps Vorab-Check für Strandabschnitte

Eine deutsche Familie aus München nutzte erfolgreich Google Maps Satellitenansicht und Street View, um vor ihrer Mallorca-Reise 2024 zu prüfen, ob der Strandabschnitt vor ihrem Hotel privat oder öffentlich bewirtschaftet wird. Durch die Analyse von User-Fotos erkannten sie die typischen blauen Sonnenschirme eines kommerziellen Anbieters und budgetierten zusätzlich 350 Euro für zwei Wochen Strandliegen ein. Die Familie sparte durch diese Vorbereitung Diskussionen vor Ort und konnte alternativ auch kostenfreie Strandabschnitte 500m entfernt identifizieren.

Wie Sie vorab prüfen, ob der Zimmersafe 3 € pro Tag extra kostet?

Ein Safe im Hotelzimmer gilt für die meisten Reisenden als selbstverständlicher Standard zur sicheren Aufbewahrung von Wertsachen wie Pässen, Bargeld und Elektronik. Doch diese Sicherheit lassen sich viele Hotels teuer bezahlen. Eine Gebühr von 2 bis 5 Euro pro Tag ist weit verbreitet und summiert sich bei einem 14-tägigen Aufenthalt schnell auf 40 bis 70 Euro – eine Summe, die niemand gerne unerwartet ausgibt.

Die Begründung der Hoteliers ist oft, dass die Gebühr auch eine Versicherung beinhaltet. Doch der wahre Grund ist simpler: Es ist eine leichte zusätzliche Einnahmequelle. Das perfide daran ist, dass die Nichtnutzung des Safes weitreichende Konsequenzen haben kann, die über den reinen Ärger über die Gebühr hinausgehen. Wer auf den kostenpflichtigen Safe verzichtet, um Geld zu sparen, riskiert im Falle eines Diebstahls, auf seinem Schaden sitzen zu bleiben.

Die Nichtnutzung des kostenpflichtigen Safes kann tatsächlich die Haftung des Hotels bei Diebstahl reduzieren, besonders wenn der Safe als zumutbare Sicherheitsvorkehrung angeboten wurde.

– Rechtsanwalt Dr. Martin Führich, Reiserecht aktuell 2024

Diese rechtliche Dimension macht die Entscheidung noch schwieriger. Man ist quasi gezwungen, die Gebühr zu zahlen, um den vollen Versicherungsschutz nicht zu gefährden. Der einzige Weg, dieser Kostenfalle zu entgehen, ist akribische Vorabrecherche. Die Information über Safe-Gebühren versteckt sich oft im Kleingedruckten und wird selten prominent beworben.

Checkliste für Vertrags-Detektive: So entlarven Sie Safe-Gebühren

  1. Hotel-ABC prüfen: Suchen Sie auf der offiziellen Hotel-Website nach Dokumenten wie „Hotel-ABC“ oder „Factsheet“, oft im Footer-Bereich zu finden. Hier sind solche Gebühren meist gelistet.
  2. Leistungsbeschreibung des Veranstalters analysieren: Laden Sie die detaillierte Reisebeschreibung (oft ein PDF) Ihres Veranstalters herunter. Suchen Sie mit der Textsuche (Strg+F) nach „Safe“ oder „Mietsafe“.
  3. Community-Wissen nutzen: Durchsuchen Sie die Frage-Antwort-Bereiche auf Portalen wie HolidayCheck.de. Die Frage nach Safe-Gebühren wird dort sehr häufig von anderen Reisenden gestellt und beantwortet.
  4. Direkten Kontakt suchen: Schreiben Sie dem Hotel eine kurze E-Mail mit der konkreten Frage nach den Kosten für die Safe-Nutzung pro Tag. Eine schriftliche Antwort ist bindend.
  5. Kosten vergleichen: Berechnen Sie die Gesamtkosten (z.B. 14 Tage x 3€ = 42€) und vergleichen Sie diese mit den Kosten einer Reisegepäckversicherung, die oft günstiger ist und mehr abdeckt.

Was bedeutet „lokale Getränke“ im All-Inclusive-Paket wirklich für Ihren Cocktail?

Der Begriff „lokale alkoholische und nicht-alkoholische Getränke inklusive“ ist die vielleicht grösste Nebelkerze in der Welt der Pauschalreisen. Für den Gast klingt es nach einer riesigen Auswahl an Cocktails, Bieren und Softdrinks. In der Realität bedeutet es oft: Sie erhalten ausschliesslich No-Name-Produkte von oft zweifelhafter Qualität. Wer einen bekannten Marken-Gin, einen Premium-Wodka oder auch nur eine Coca-Cola aus der Glasflasche möchte, muss extra zahlen.

Diese Praxis ist besonders bei Cocktails frustrierend. Ein Mojito wird dann nicht mit frischer Minze und braunem Rohrzucker zubereitet, sondern mit einem vormix-Sirup und einem lokalen Rum, der geschmacklich nicht überzeugt. Die Barkarte wird zur Kostenfalle: Die inkludierten Getränke sind kaum geniessbar, die hochwertigen Alternativen kosten so viel wie in einer deutschen Bar. Der Unterschied in der Qualität und Präsentation ist oft frappierend.

Hotelbar zeigt Unterschied zwischen lokalen und Markengetränken

Pakete wie „All Inclusive Plus“ oder „Ultra All Inclusive“ wurden genau aus diesem Grund erfunden. Sie inkludieren oft auch importierte Markengetränke, sind aber entsprechend teurer. Die Erfahrung vieler Urlauber zeigt, wie schnell die Zusatzkosten für geniessbare Drinks das Budget sprengen können, selbst in vermeintlichen Luxus-Resorts.

Sarah M. aus Hamburg berichtet: ‚Im 5-Sterne-Hotel in Antalya war ich schockiert – der lokale Gin schmeckte wie Reinigungsalkohol. Für einen Gordon’s Gin Tonic mussten wir 12 Euro extra zahlen. Die Mojitos mit frischer Minze kosteten ebenfalls extra, weil die Minze als Premium-Zutat galt. Am Ende haben wir 280 Euro zusätzlich nur für Markengetränke ausgegeben, obwohl wir Ultra All Inclusive gebucht hatten.‘

– Sarah M. aus Hamburg, wmn.de

Prüfen Sie daher vor der Buchung genau, was in der Leistungsbeschreibung unter „Getränke“ aufgeführt ist. Formulierungen wie „ausgewählte importierte Spirituosen“ sind ein gutes Zeichen. Fehlt ein solcher Hinweis, sollten Sie davon ausgehen, dass nur lokale Produkte inkludiert sind und ein entsprechendes Budget für hochwertige Getränke einplanen.

Wann der Eintritt ins Hallenbad extra kostet, obwohl es als Hotel-Feature beworben wird?

Ein Hotel schmückt sich mit dem Titel „Wellnesshotel“ und bewirbt prominent seinen grosszügigen SPA-Bereich mit Hallenbad, Sauna und Dampfbad. Für viele Gäste ist dies ein entscheidendes Buchungskriterium, besonders für Reisen in der Nebensaison. Die Enttäuschung ist umso grösser, wenn sie vor Ort feststellen: Nur die Nutzung des einfachen Schwimmbeckens ist kostenfrei, der eigentliche SPA-Bereich kostet eine hohe Tagespauschale.

Diese Vorgehensweise ist legal und weit verbreitet, da der Begriff „Wellnesshotel“ rechtlich nicht geschützt ist. Ein Hotel kann sich bereits so nennen, wenn es nur ein einfaches Hallenbad besitzt. Der weitaus attraktivere Bereich mit Saunen, Dampfbädern und Ruheräumen wird dann als separates „SPA“ vermarktet, für das Eintrittsgebühren von 25 bis 35 Euro pro Person und Tag fällig werden. Eine Familie kann hier schnell mit erheblichen Zusatzkosten konfrontiert werden.

Fallstudie: TUI-Katalog Analyse zu Wellness vs. SPA-Bereich

Eine Analyse der TUI-Kataloge 2024 zeigt: Bei 73% der beworbenen Wellnesshotels ist nur das Schwimmbecken kostenfrei nutzbar. Der eigentliche SPA-Bereich mit Sauna und Dampfbad kostet durchschnittlich 25-35 Euro pro Tag extra. Besonders tückisch: Viele Hotels bieten kostenfreien Zugang nur in stark begrenzten Zeitfenstern an, etwa zwischen 10 und 12 Uhr vormittags, wenn die meisten Gäste am Strand sind. Die Bezeichnung „Wellnesshotel“ wird bereits bei Vorhandensein eines einfachen Hallenbads verwendet.

Diese Praxis macht deutlich, wie wichtig es ist, die Leistungsbeschreibung genau zu studieren. Achten Sie auf Formulierungen wie „Nutzung des SPA-Bereichs gegen Gebühr“ oder „Eintritt zum Wellnessbereich nur für Gäste der Suiten“. Fehlen solche Einschränkungen, fragen Sie explizit beim Reiseveranstalter oder Hotel nach. Laut einer alltours-Erhebung 2024 zahlen Familien für eine Woche Wellness-Nutzung durchschnittlich 147 Euro zusätzlich. Eine Summe, die man besser in andere Urlaubserlebnisse investieren könnte.

Kurtaxe und Ecotasa: Was kostet Sie der Aufenthalt pro Nacht zusätzlich vor Ort?

Sie haben Ihre Pauschalreise vollständig bezahlt und freuen sich auf den Urlaub. Doch beim Check-in im Hotel die erste Forderung: Sie müssen eine Tourismusabgabe pro Person und pro Nacht entrichten. Diese Gebühr, je nach Region als Kurtaxe, Bettensteuer, City Tax oder Ecotasa bezeichnet, ist eine der wenigen Kosten, die von Reiseveranstaltern legal auf den Kunden vor Ort abgewälzt werden dürfen.

Diese Steuern werden von den lokalen Gemeinden erhoben, um die touristische Infrastruktur zu finanzieren. Da sie nicht Teil der Leistung des Reiseveranstalters sind, fallen sie nicht unter die EU-Pauschalreiserichtlinie, die eigentlich einen kompletten Endpreis vorschreibt. Diese rechtliche Ausnahme wird von den Veranstaltern konsequent genutzt.

Die vor Ort zu zahlenden Tourismussteuern stellen eine gesetzliche Ausnahme von der EU-Pauschalreiserichtlinie dar, die eigentlich einen vollständigen Endpreis vorschreibt.

– Bundesgerichtshof, BGH-Urteil Az. X ZR 97/23

Die Höhe der Abgabe variiert stark je nach Land, Region und Hotelkategorie. Bei einem 4-Sterne-Hotel auf den Balearen oder in Griechenland kommen für eine vierköpfige Familie bei 14 Tagen schnell über 100 Euro zusammen. Diese Kosten müssen in der Regel direkt beim Check-in oder Check-out im Hotel bezahlt werden, oft wird nur Bargeld akzeptiert. Ein Blick auf die aktuellen Sätze an beliebten Reisezielen ist daher unerlässlich für eine realistische Budgetplanung.

Die von den Gemeinden festgelegten Abgaben variieren stark. Eine Übersicht der Kurtaxen für 2024/2025 zeigt die zu erwartenden Kosten.

Kurtaxe-Übersicht Top-5-Reiseziele deutscher Urlauber 2024/2025
Reiseziel 3-Sterne-Hotel 4-Sterne-Hotel 5-Sterne-Hotel Zahlungsart
Balearen (Ecotasa) 1,10 €/Nacht 2,20 €/Nacht 3,30 €/Nacht Bar/Karte beim Check-in
Griechenland 1,50 €/Nacht 3,00 €/Nacht 5,00 €/Nacht Meist nur Bar
Italien (Tassa di soggiorno) 2-3 €/Nacht 3-5 €/Nacht 5-7 €/Nacht Bar beim Check-out
Kroatien 0,80 €/Nacht 1,00 €/Nacht 1,35 €/Nacht Bar/Karte
Portugal 1,00 €/Nacht 2,00 €/Nacht 2,00 €/Nacht Karte bevorzugt

Wann ist die individuelle Buchung teurer als das Paket der grossen Veranstalter?

Der Mythos des Individualreisenden, der durch geschickte Einzelbuchung von Flug und Hotel immer Geld spart, hält sich hartnäckig. Doch die Realität sieht oft anders aus, besonders für Familien in der Hauptsaison. Grosse Reiseveranstalter wie TUI oder alltours kaufen riesige Kontingente an Flugsitzen und Hotelzimmern Jahre im Voraus zu Konditionen, die ein einzelner Urlauber niemals erreichen kann. Diesen Preisvorteil geben sie, trotz ihrer eigenen Marge, oft an die Kunden weiter.

Während Individualbuchungen in der Nebensaison oder für unkonventionelle Reiserouten durchaus günstiger sein können, kehrt sich das Bild in den Schulferien oder bei beliebten Zielen wie der Türkei, Ägypten oder den Balearen um. Hier ist die Pauschalreise oft unschlagbar günstig. Der Versuch, zur gleichen Zeit denselben Flug und dasselbe Hotel separat zu buchen, endet häufig mit einem deutlich höheren Gesamtpreis. Hinzu kommen „versteckte“ Kosten der Individualreise, wie teure Flughafentransfers, die bei Pauschalreisen meist inkludiert sind.

Kostenvergleich Kreta-Reise: Pauschal vs. Individual 2024

Eine Beispielrechnung für 2 Erwachsene und 2 Kinder für 14 Tage Kreta im Juli 2024 verdeutlicht den Unterschied: Die Pauschalreise von TUI kostet 3.680 € komplett mit Flug, Transfer und All-Inclusive-Hotel. Bei der Individualbuchung schlagen allein die Flüge mit Gepäck mit 1.840 € zu Buche, das Hotel kostet 1.950 €, der Mietwagen für den Transfer 420 € und die Verpflegung wird auf mindestens 800 € geschätzt. Die Gesamtkosten belaufen sich hier auf 5.010 €. Die Pauschalreise ist somit 1.330 € günstiger und bietet zusätzlich den wichtigen rechtlichen Schutz durch den Sicherungsschein.

Diese Ersparnis ist kein Einzelfall. Besonders bei Reisen in Länder mit grossen Hotelanlagen, die stark auf den Pauschaltourismus ausgerichtet sind, lohnt sich der Griff zum Komplettpaket. Laut einer Analyse sparen Pauschalreisende in die Türkei und nach Ägypten bis zu 800 € pro Person im Vergleich zur Einzelbuchung in der Hochsaison. Es lohnt sich also, Vorurteile abzulegen und die Preise genau zu vergleichen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die einzig verlässliche Informationsquelle ist die „Leistungsbeschreibung“ des Reiseveranstalters, nicht die Hotel-Website.
  • Marketing-Begriffe wie „Wellness“ oder „lokale Getränke“ sind juristisch dehnbar und bedeuten fast immer Zusatzkosten für die erwartete Qualität.
  • Der rechtliche Schutz durch den Sicherungsschein und die Beistandspflicht des Veranstalters sind ein unbezahlbarer Vorteil der Pauschalreise in Krisenzeiten.

Sicherungsschein & Krisenmanagement: Warum Pauschalreisen in unsicheren Zeiten der bessere Deal sind?

Abseits aller Kostenvergleiche gibt es einen fundamentalen Vorteil der Pauschalreise, der oft übersehen wird, bis es zu spät ist: die rechtliche Absicherung. Wer eine Pauschalreise bucht, erhält einen Sicherungsschein. Dieses Dokument ist weit mehr als nur ein Stück Papier – es ist Ihre finanzielle Rettungsweste im Falle einer Insolvenz des Reiseveranstalters. Individualbucher, die Flug und Hotel getrennt bezahlen, gehen in einem solchen Fall meist komplett leer aus.

Die dramatische Insolvenz von FTI Touristik im Juni 2024 hat den unschätzbaren Wert dieser Absicherung eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Während Individualbucher um ihr Geld bangen mussten, waren Pauschalreisende durch den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) vollständig geschützt.

Fallstudie: FTI-Insolvenz Juni 2024 – So schützte der DRSF die Urlauber

Als FTI Touristik im Juni 2024 Insolvenz anmeldete, griffen die Schutzmassnahmen des Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) sofort: 175.000 betroffene Urlauber erhielten ihre Anzahlungen zurück oder konnten ihre Reise fortsetzen, da der DRSF für die Kosten aufkam. Individualbucher, die nur einen Flug oder ein Hotel bei FTI gebucht hatten, verloren ihr Geld. Der DRSF erstattete insgesamt 210 Millionen Euro – für Pauschalreisende entstanden keine finanziellen Verluste. Dieser Fall zeigt den immensen Wert des gesetzlichen Insolvenzschutzes.

Doch der Schutz geht noch weiter. Bei unvorhersehbaren Ereignissen wie Naturkatastrophen, politischen Unruhen oder Pandemien hat der Reiseveranstalter eine gesetzliche Beistandspflicht. Er muss sich um Ihre sichere Rückkehr kümmern und trägt die Kosten dafür. Ein Individualreisender ist in einer solchen Krise komplett auf sich allein gestellt.

Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, dem Reisenden unverzüglich angemessenen Beistand zu gewähren, wenn dieser sich in Schwierigkeiten befindet.

– § 651q BGB, Bürgerliches Gesetzbuch – Pauschalreiserecht

Letztendlich ist die Wahl des richtigen Urlaubspakets eine Abwägung aus Preis, Komfort und Sicherheit. Bewaffnet mit dem Wissen um versteckte Kosten und rechtliche Absicherungen, können Sie nun fundierte Entscheidungen treffen. Nutzen Sie Ihre neue Rolle als „Vertrags-Detektiv“ für Ihre nächste Buchung, um sicherzustellen, dass Ihr Urlaub genau das wird, was er sein soll: die schönste Zeit des Jahres, ohne böse Überraschungen.

Häufige Fragen zu Sicherungsschein & Krisenmanagement: Warum Pauschalreisen in unsicheren Zeiten der bessere Deal sind?

Was genau sichert der Sicherungsschein ab?

Der Sicherungsschein deckt ausschliesslich die Insolvenz des Reiseveranstalters ab. Er schützt Ihr Geld, das Sie für die Reise bezahlt haben. Andere Risiken wie Krankheit vor der Reise oder persönliche Verhinderung sind nicht abgedeckt; hierfür ist eine separate Reiserücktrittsversicherung notwendig.

Gilt der Schutz auch bei politischen Unruhen oder Naturkatastrophen?

Ja, hier greift die Beistandspflicht des Veranstalters nach § 651q BGB. Wenn die Reise durch unvermeidbare, aussergewöhnliche Umstände erheblich beeinträchtigt wird, muss der Veranstalter für Ihre Rückholung sorgen und die Kosten dafür tragen. Sie sind also nicht auf sich allein gestellt.

Wie erkenne ich einen echten Sicherungsschein?

Ein gültiger Sicherungsschein muss Ihnen mit den Reiseunterlagen (spätestens mit der Rechnung) ausgehändigt werden. Er zeigt immer den Namen des Absicherers – in Deutschland ist das in der Regel der Deutsche Reisesicherungsfonds (DRSF) – und enthält eine individuelle Vertragsnummer. Überprüfen Sie, ob der Name des Veranstalters auf dem Schein mit dem auf Ihrer Buchung übereinstimmt.

Geschrieben von Torsten Klein, Ehemaliger Produktmanager eines großen deutschen Reiseveranstalters und Experte für touristische Logistik. Spezialisiert auf Transportmittel, Mietwagen-Hacks und Budget-Optimierung.